Der IT-Gipfel findet im Dezember 2011 zum sechsten Mal statt. Es geht darin um die Themen, die uns so normal bewegen. Sicherheit, Datenschutz, Innovationen, intelligente Netze, Bildung und eHealth. Alle diese Themen bringen schwierige Diskussionen, nach denen immer wieder gewisse Beschlüsse gefasst werden.

Ich bin oft bekümmert, dass es dabei so wenige konkrete Visionen gibt, an deren Umsetzung wirklich gearbeitet werden kann. Bei einem früheren IT-Gipfel wurde beschlossen, „Internet in jeder Berghütte und auf jeder Hallig“ zu ermöglichen. DAS ist ein Wort – und inzwischen haben ja 99 Prozent aller Haushalte mindestens 1-MB-Anschlüsse. Das wird heute als Erfolg gefeiert, aber wir brauchen inzwischen doch eher 10 MB, oder sogar noch mehr? Weiter, weiter!

Ich möchte den Gedanken eines Betriebssystems aufleben lassen, denn Systeme solcher Art brauchen wir überall. Betriebssysteme stellen Grundlösungen für Probleme bereit, die alle am System Beteiligten gemeinsam haben, und sie vernetzen die am System Beteiligten bestmöglich. Beispiel: Wir brauchen ein Autobetriebssystem, das alle die hundert bis dreihundert Elektromotoren zusammenbindet und managt. Ich möchte einen zweiten Schacht neben dem für das Autoradio vorgesehen wissen, in den die Steuereinheit eingesetzt werden kann – die kann ja Apple oder IBM bauen? Diese Einheit kaufen wir uns separat, sie könnte etwa im Smartphone integriert sein.

Ich habe schon oft so etwas andiskutiert, aber da folgen keine Taten, weil sich die am System Beteiligten gar nicht auf ein System einigen wollen oder können. Steuert nun Daimler oder Samsung das Auto? Leichter wäre es, ein Standardbetriebssystem für Häuser festzulegen, das die Hausklingelkamera aufs Handy umleitet, die elektrischen Geräte auch von dort schalten lässt und den Energieverbrauch organisiert. Wer könnte so etwas als Infrastruktur bauen? Die Energieversorger? Die Telekommunikationsunternehmen? Nehmen wir doch gleich das System für das Auto dafür, das vielleicht komplizierter wird als das fürs Haus! Dann brauchen wir noch zusätzlich ein Betriebssystem für uns Menschen, das sich um Blutwerte, Zuckerwerte oder die Steuerung von Herzschrittmachern kümmert. Wer ist dafür zuständig? Wer wagt sich an ein Betriebssystem der gesamten öffentlichen Verwaltung, also eines für den Staatsapparat? Dafür wäre klar allein der Staat zuständig, aber der ist ja das Allerkompartmentalisierte von allem! Wir brauchen ferner neue Zahlungssysteme, über deren Normen schon lange gerungen wird, während sich Paypal breitmacht und Apple und Google schon üben, um alles zu übernehmen.

Die Autos sind bald durch Abstandssensoren so weit, dass man als Mensch mit ihnen nirgendwo mehr gegen fahren kann. Das Auto tut es einfach nicht, es bremst allein. Wenn aber Autos keine Unfälle mehr haben können, dann brauchen sie eigentlich auch keine Fahrer mehr, klar? Dann gibt es nur noch führerlose „Cabins“, die auf Handyknopfdruck erscheinen und uns abholen und hinbringen. Da dann diese wenigen verbliebenen Autos zehnmal mehr benutzt werden und nicht dauernd parken wie unsere, brauchen wir nur ein Zehntel der Autos, kaum noch Autobahnen, keine Garagen, keine Parkhäuser und keinen Zank mehr um Batterienormen für eCars.

Ich meine: Es gibt genug anzupacken! Das ist wohl klar. Nur muss Deutschland die Energie aufbringen, Standards für solche Systeme zu entwickeln und festzusetzen. Da wäre so ein IT-Gipfel ganz gut!

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