Die Navigations-App NADINE bringt Smartphone-Besitzer zuverlässig von A nach B – egal, ob sie zu Fuß oder mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind. Dabei informiert sie nicht nur in Echtzeit über Verspätungen und schlägt Alternativrouten vor, sondern bietet dem Nutzer auch gleich den passenden Fahrschein an.

Fahrplanauskunft, Navigationsgerät und Handyticket in einem: Die App NADINE begleitet den Nutzer durch die Stadt und führt ihn zu Fuß, mit Bus und Bahn an sein Ziel. Liegt eine Störung vor oder ändert der Nutzer spontan seine Route, reagiert die App in Echtzeit darauf. »Um den genauen Standort des Nutzers zu bestimmen, ist eine durchgängige Lokalisierung anders als beim Navigationsgerät im Auto erforderlich. Die App muss nicht nur wissen, wo der Nutzer gerade unterwegs ist, sie muss auch erkennen, auf welcher Linie er sich befindet. Die Ortung findet nicht nur über satellitenbasierte Systeme, sondern auch über WLAN, Bluetooth und die Auswertung der Sensorik im Smartphone statt«, erklärt Thorsten Vaupel aus der Abteilung »Kommunikationsnetze« am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, das gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI und Forschern der Universität Regensburg für die Entwicklung der fachlichen Inhalte der App verantwortlich ist. Geleitet wird das Konsortium von der Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg und koordiniert vom Fraunhofer IVI. Bei der Standortbestimmung kommt eine sogenannte Kontextklassifikation zum Einsatz: Erfassen die Sensoren, dass die Person zwar steht, sich aber dennoch fortbewegt, lässt das zum Beispiel darauf schließen, dass sie sich in Bus oder Bahn befindet. »Unterstützt wird das Ganze durch eine Softwarearchitektur, die die Kombination verschiedener Fachdienste gewährleistet«, sagt Vaupel. Eine Schnittstelle gewährleistet eine ständige Verbindung zur Echtzeitauskunft des jeweiligen Verkehrsunternehmens.

Das passende Ticket

Die App führt den Nutzer nicht nur an sein Ziel, sondern bietet ihm bei Bedarf auch ein passendes Ticket an. Die sogenannte »fahrpreissensitive Navigation« hält immer automatisch die passenden Fahrscheininfos bereit. »Wer zum Beispiel eine Monatskarte hat, kann diese in der App hinterlegen. Die App erkennt sogar automatisch, sobald man sich aus der Ticketzone herausbewegt und bietet dann ein zusätzliches Ticket an «, erklärt Sebastian Pretzsch aus der Abteilung »Intelligente Verkehrssysteme« am Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI. Der Ticketkauf wird von der Firma HanseCom GmbH über das im ÖPNV verbreitete HandyTicket Deutschland durchgeführt.

Intuitive Navigation

Auf dem Display sieht der Nutzer neben seinem aktuellen Standpunkt auch die vorgezeichnete Route. Wenn er durch die Stadt läuft, muss er aber nicht permanent aufs Handy schauen, um der Route zu folgen. Stattdessen blendet die App Anweisungen wie »An der nächsten Ampel rechts« ein. »Die Routenverwendung soll möglichst natürlich und intuitiv sein. Entlang der Fußgängerroute identifiziert die App Landmarken – also markante Punkte wie beispielsweise Treppen oder eine Litfaßsäule – anhand derer sie den Nutzer leitet«, erläutert Pretzsch. Und nicht nur auf der Straße, auch in Innenbereichen wie U-Bahnhöfen kennt sich NADINE aus. Die Forscher der Universität Regensburg greifen hierzu unter anderem auf die Haltestellenumgebungspläne der Verkehrsunternehmen zurück.

Aktuell wird ein Prototyp in Erfurt und Nürnberg getestet. Pretzsch erklärt: »Ziel war es von Anfang an, einen übertragbaren Ansatz zu entwickeln. Wir wollen Ende des Jahres nicht nur die NADINE-App anbieten können, sondern eine Sammlung von Fachdiensten, die separat auf dem Smartphone installiert und von App-Entwicklern für eigene Anwendungen genutzt werden können. Die Dienste-Architektur soll ihnen wie eine Art Baukasten zur Verfügung stehen.« NADINE wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologien. (mdi)

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  • Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS
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