Stuttgart soll sich in den kommenden Jahren zu einer Modellregion für nachhaltige Mobilität entwickeln. Was das konkret bedeuten kann, wird nun in fünf aufeinander abgestimmte Projekten ausgearbeitet, an denen sich Wirtschaft, Wissenschaft, Verbände und Bürger beteiligen können. Über den technikorientierten Ansatz hinaus sollen dabei auch Fragen des Zusammenlebens in Städten mit einbezogen werden. Es tehen auch Aspekte wie Arbeit und Leben, Klimaschutz, Stadtentwicklung und der demografische Wandel im Mittelpunkt. Im Interview beschreibt Florian Rothfuss vom Fraunhofer IAO die Pläne.

Seit Februar diesen Jahres entwickelt sich Stuttgart zur Modellregion für Deutschland …

Viele Entwicklungen in und um Stuttgart haben schon seit Jahren Modellcharakter. Richtig aber ist, dass Anfang Februar der Kick-off für das Projekt »Nachhaltig Mobile Region Stuttgart« stattgefunden hat. Allerdings geht es dabei nicht um ein einzelnes, in sich geschlossenes Projekt, sondern im Grunde um ein ganzes Projektbündel., Das Land Baden-Württemberg, die Region Stuttgart, die Stadt Stuttgart und wissenschaftliche Einrichtungen wie die Universität Stuttgart und das Fraunhofer IAO arbeiten dabei eng zusammen. Die Basis bildet ein Projekt zur Entwicklung des Leitbildes für die Modellregion, in welchem auch die bereits laufenden Entwicklungen und Aktivitäten systematisch erfasst werden.

Um die Zusammenarbeit besser zu koordinieren, wurden jetzt fünf Projekte definiert. Dabei soll die Mobilitätsentwicklung aus je einer anderen Perspektive bearbeitet werden.

Wir wollen nicht einfach die bisherigen Vorstellungen von Mobilität fortführen. Denn Mobilität ist eng verknüpft mit Aspekten wie Arbeiten und Leben in einer die Menschen ansprechenden Stadtumgebung. Die nachhaltige Entwicklung von Mobilität hat also auch Anknüpfungspunkte beim Klimaschutz, bei der Stadtentwicklung oder dem demografischen Wandel. Zudem sind Interessierte eingeladen, sich an den Projekten zu beteiligen und auch weitere Arbeitspakete zu entwerfen.

Das Projekt ist zeitlich nicht limitiert.

Das wäre im Moment auch kaum sinnvoll, denn es gibt nicht den einen Idealzustand. Vielmehr hat eine Modellregion den Anspruch, fortlaufend anderen Regionen einen Schritt voraus zu sein und damit Modellcharakter zu besitzen. Das hört nicht am Tag x auf. Gemeinsam mit den Beteiligten aus den Kommunen, der Region, der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Verbände und den Bürgerinnen und Bürgern werden wir ein Leitbild entwickeln. Dieses Leitbild einer nachhaltig mobilen Region soll dann als Grundlage für Projekte wie die Erprobung neuer Geschäftsmodelle, elektromobiler Stadtquartiere, einer „Eco-City“ oder einer „Smart-City“ und als Modell für andere Regionen dienen.

Die fünf zentralen Projekte zu »Stuttgart – Modellregion für eine nachhaltige Mobilität«

  1. Leitbild Nachhaltige Region Stuttgart
    Gemeinsam mit Institutionen und Bürgern soll ein Leitbild entwickelt werden, um den Projekten eine Vision und strategische Richtung zu geben. Zudem werden Maßstäbe definiert, um die Qualität ergriffener Maßnahmen immer wieder beurteilen zu können und die Initiativen auch über die Grenzen der Region hinweg transparent zu gestalten.
  2. Innovative Bürgerbeteiligungsprozesse
    Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern sollen Ansätze zur Mobilität im Alltag erarbeitet werden. Im Mittelpunkt dabei stehen Bürgerprojekte, Runde Tische, Modell Zukunftswerkstatt, Bürgerforen, Online-Partizipation, Bürgertelefone, Ombudspersonen, Anhörungen, Planspiele, Projektchecks, Interviews, Umfragen, Printmedien, Ausstellungen und webbasierte Medienarbeit.
  3. Intermodale Reisekette
    Durch schnelle mobile Datenverbindungen werden immer häufiger Informationen zu Verkehrsmitteln und Reisewegen abgerufen. Hier sollen Lösungsansätze entwickelt werden, um die Vielzahl an Daten intelligent zu vernetzen und damit Reiseketten verkehrsträgerübergreifend und umweltschonend zu optimieren.
  4. Aktuelle Verkehrslage im regionalen Straßennetz - online
    Aktuelle Verkehrsdaten aus dem kommunalen Netz der Stadt Stuttgart sollen in eine Darstellung der Verkehrslage des regionalen Straßennetzes integriert werden.
  5. Marktplatz Umweltfreundliche Mobilitätssysteme
    Nachhaltige Mobilitätsentwicklung im urbanen Raum kann nur erfolgreich sein, wenn sie sozialverträglich und umweltfreundlich ist. Deshalb sollen Konzepte ausgearbeitet werden, wie allen Bevölkerungsgruppen die Teilhabe am öffentlichen Nahverkehr ermöglicht, der demografische Wandel berücksichtigt und die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht werden kann. Zudem sollten die Verkehrsströme beispielsweise durch eine integrierte Stadt- und Verkehrsplanung minimiert und generell der umweltfreundliche Transport ausgebaut werden.

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  • Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO
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