Nur ein Gerät kann es in der Informationsgesellschaft geben. Und das ist der Computer. Alle anderen Geräte wer­den deshalb zu Computern, die Ste­reo-Anlage, der Fotoapparat und auch das Auto. Zuerst sträubt man sich ja dagegen. Schließlich werden so mühevoll erworbene Fertigkeiten nutzlos.

Beispielsweise jene, einen Film bei völliger Dunkelheit aus der Kamera zu nehmen und auf die Spindel des Entwicklers aufzuspulen. JEPGs hin­gegen braucht man nicht zu entwi­ckeln. Schon längst hat sich daher an den Fingerkuppen wieder Hornhaut gebildet, die früher durch den stän­digen Umgang mit Fixierbad abge­ätzt war. Die sanften Streichelfinger, wegen der man als junger Foto-Jour­nalist bei Frauen so beliebt war, sind so zu einer bloß noch schönen Jugenderinnerung geworden.

Besonders schwer fällt einem der Umstieg beim Autofahren. In Win­dows-Manier nimmt da der Bord­computer dem User jede Entschei­dung ab. Wehmütig denkt man manchmal an die Rostlauben zurück, die man früher gefahren hat. Damals, als noch Können verlangt war, Zwi­schengasgeben beim Herunter­schalten etwa mit der nur schwer erlernbaren Hacke-Spitze-Technik. Eine heute wertlose Fähigkeit. Selbst Autos, die ihrem Eigner noch einige Mitbestimmungsrechte gewähren, zeigen ihm an, welchen Gang er gefälligst zu nehmen hat. Und wenn er - um seine Souveränität durchzusetzen - das ignoriert, dann schalten sie eben selbständig.

Aber man akzeptiert das alles. Schließlich kann man dank der ubi­quitären IT einfacher und deshalb mehr fotografieren. Mp3-Files sind sehr viel praktischer als sperrige Schallplatten. Und ein modernes Auto verbraucht weniger Sprit, ist sicherer und belastet die Umwelt nicht gar so sehr. Angesichts dieser Allgegenwart maschineller Intelligenz diskutieren Experten inzwischen, was künftig vor allem die technische Ent­wicklung antreiben wird. Die Unter­nehmens-IT wie bisher? Die Unter­haltungselektronik, die aktuell mit den größten Innovationen aufwartet? Oder die Medizintechnik wegen des gewaltigen Bedarfs?

Auf jeden Fall gehört die Verkehrs­technik zu den Technologietreibern. Hier muss die IT zu 100 Prozent ein­lösen, was sie immer versprochen hat: Usability und Reliability. Sonst nimmt der User die modernen Ver­kehrsmittel nämlich nicht an. Ein alter Zwischengasgeber etwa kann es überhaupt nicht ab, wenn sein High-Tech-Wagen nach einem Zwi­schenstopp nicht mehr anspringt, weil sich unbemerkt und automa­tisch die Wegfahrsperre aktiviert hat. Und gar nicht erst vorstellen mag man sich ein Auto mit der Zuverläs­sigkeit eines handelsüblichen PCs. Allein schon deshalb, weil man sie im Ernstfall gar nicht finden würde, die Bedienelemente zu Eingabe der am Arbeitsplatzrechner so segensreichen Funktion Alt+Ctrl+Del.

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Achim Killer
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