Schutz vor gefährlichen Situationen wie Großunfällen, Extremwetter oder Waldbränden können Warnungen nur bieten, wenn sie Bürger, Rettungskräfte und Behörden rechtzeitig, am richtigen Ort und vor allem mit präzisen Verhaltenshinweisen erreichen. An die Stelle der Warnsirene mit nur einem Signal für alle Gefahren treten elektronische Warnungen wie E-Mail, SMS oder auch Fax, die die Menschen individuell erreichen. Was aber ist bei einem Stromausfall? Im Projekt KATWARN erarbeiten Forscher des Fraunhofer ISST Konzepte für alle Katastrophenlagen.

Allein in den vergangenen zehn Jahren wurden in Europa mehr als zwei Dutzend schwere Naturkatastrophen verzeichnet: Vor allem Hochwasser und Orkane, Erdbeben und Erdrutsche, Waldbrände und Gewässerverschmutzungen. Hinzu kommt eine (glücklicherweise) überschaubare Anzahl technischer Katastrophen wie Explosionen in Fabriken wie in Frankreich oder den Niederlanden oder ein Chemieunfall in Rumänien. Dabei ist die Art der Katastrophe ebenso unterschiedlich wie die jeweiligen regionalen Bedingungen oder die Erreichbarkeit der betroffenen Bürger und Institutionen. Eigenständige Warnsysteme für alle Gefahrenlagen zu installieren, aber ist weder finanzierbar noch sinnvoll. Denn eine Vielzahl von Parallelanwendungen könnte letztlich dazu führen, dass diese sich gegenseitig behindern. Beim Projekt KATWARN setzen die Forscher des Fraunhofer ISST daher auf flexible Multi-Hazard- und Multi-Channel-Lösungen. Das Ziel dabei: Durch die Verknüpfung bestehender Warnsysteme und -konzepte mit neuen Entwicklungen ein zuverlässiges, umfassendes und finanzierbares Warnsystem zu etablieren. Dafür arbeiten die Forscher mit verschiedenen Partnern zusammen, die ihre Technologien für Pilotsysteme zur Verfügung stellen.

In einer ersten Phase soll dabei eine wesentliche Lücke heutiger Frühwarninfrastrukturen geschlossen werden: Der Ausfall wesentlicher Warnmöglichkeiten bei Überlastung der Kommunikationsnetze, bei Stromausfällen oder während der Nacht, wenn Radio-, Fernseh- und Mobilfunkgeräte ausgeschaltet sind. Um dies zu gewährleisten, werden derzeit weitere Warntechnologien wie beispielsweise neu entwickelte Gebäudemelder getestet. Diese Melder sind unabhängig vom Stromnetz und können nicht nur analog zu herkömmlichen Brandmeldern Ton- und Lichtsignale abgeben. Sie sind zusätzlich in der Lage, gesprochene und auf die jeweilige Notsituation abgestimmte Informationen abzugeben. Insbesondere für die Warnung älterer Personen werden zudem spezielle Einblendungen für das Fernsehen erarbeitet, die ebenso eindeutig wie eindringlich auf mögliche Gefahren hinweisen und Handlungsanweisungen geben.

Erstellt und verbreitet werden die Warnungen über eine Warnredaktion in der jeweiligen Leitstelle. Die Redaktion ist dabei über einen Rechner mit einem Server verbunden, in dem unter anderem aktuelle Wetterinformationen eingehen und ausgewertet werden.

Grundlage für KATWARN, an dem der Verband öffentlicher Versicherer, die Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse sowie die e*Message Wireless Information Services Deutschland GmbH beteiligt sind, ist ein vom Fraunhofer ISST entwickeltes Architekturkonzept für performante Frühwarnsysteme, das bereits in einigen Projekten z.B. in Frankfurt am Main und dem Landkreis Aurich zum Einsatz gekommen ist. Der Vorteil dabei: der Informationsbedarf von Betroffenen lässt sich in Aufträge umwandeln, die anschließend automatisch strukturiert und für die zu warnenden Personengruppen zielgerichtet aufbereitet werden.

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