Unabhängig davon, ob die Sicherheit bei temporären Ereignissen wie Sportveranstaltungen, Konzerten oder politischen Konferenzen gewährleistet werden muss oder ob dauerhaft stark frequentierte Areale wie öffentliche Plätze, Bahnhöfe, Flug- und Seehäfen geschützt werden sollen: Alle Systeme, über die eine aktuelle Lage vor Ort erfasst werden soll, müssen unterschiedliche Anforderungen erfüllen. Dabei lassen sich zwei grundsätzliche Aufgaben unterscheiden: zum einen die „Safety-Aspekte“. Hier geht es darum, einen reibungslosen Routinebetrieb zu gewährleisten und dafür typische Unfallsituationen oder die Überlastung einzelner Bereiche frühzeitig zu erkennen. Bei „Security“ dagegen sind die Erkennungsziele einerseits Bedrohungslagen wie Naturkatastrophen, die aus einer ungünstigen Verkettung mehr oder weniger zufällig auftretender Naturereignisse entstehen. Aber es sollen andererseits auch mögliche Hinweise auf beispielsweise terroristische Anschläge erkannt werden. Je nach Aufgabenstellung unterscheiden sich auch die dafür geeigneten Erfassungssysteme. So reicht es zur Beobachtung rivalisierender Fangruppen nach einem Fußballspiel häufig völlig aus, an den „Hot-Spots“ des Stadions und auf den für den Nachhauseweg genutzten Bahnhöfen Kamerasysteme zu installieren. Um jedoch gezielt Angriffe zu erkennen, werden Sensorsysteme genutzt, die zusätzlich „blinde“ Bereiche rund um den Veranstaltungsort mit einbeziehen. Es ist allerdings weder notwendig noch sinnvoll, für ein Erfassen der Lage unter Saftey- und Security-Aspekten jeweils völlig getrennte Sensornetze aufzubauen. Registriert beispielsweise ein Bewegungssensor ein Ereignis abseits des mit Kameras beobachteten Fußgängerstroms, lässt sich eine in erster Linie für die Kontrolle der Fangruppen bereit gestellte Schwenkkamera auch dazu nutzen, um gezielt das Geschehen in der Umgebung des Bewegungssensors zu erfassen.

Für den Hafen von Genua wurde unter Mitwirkung des Fraunhofer IITB im Rahmen eines EU-Projekts die Referenzarchitektur eines Grenzüberwachungssystems entwickelt, die die unterschiedlichen Erfassungsaufgaben auf einer gemeinsamen Technologieplattform integriert. Dabei ging es vor allem darum, die Daten der bestehenden propriotären Systeme über geeignete Schnittstellen so miteinander zu kombinieren, dass eine Analyse der Sicherheitslage unter verschiedenen Blickwinkeln möglich wird. Aus Radardaten zur Regelung des tagtäglichen Schiffsverkehrs etwa lässt sich auch erkennen, dass zwei Schiffe auf See längsseits gegangen sind. Dies kann darauf hinweisen, dass möglicherweise verbotene Handlungen, etwa ein Umladen geschmuggelter Waffen, stattgefunden hat. Oder die Sonarsensoren zur Navigation der Schiffe im seichten Gewässer des Hafens liefern gleichzeitig auch die Daten, um unter Wasser das Eindringen von Personen oder Fahrzeugen in das Hafenbecken rechtzeitig zu erkennen. Um aus der zunehmenden Vielfalt der Daten, die durch Beobachtungssysteme erhoben werden, die jeweils relevanten Informationen herausfiltern zu können, ist eine wie in Genua eingesetzte Technologieplattform Grundvoraussetzung. Denn nur so können die von den unterschiedlichen Systemen erfassten Daten sinnvoll miteinander verknüpft werden. Zusätzlich müssen Analyseprogramme eingesetzt werden, die selbsttätig kritische Ereignisse feststellen und automatisch dafür sorgen, dass den Sicherheitskräften alle für eine Aufklärung notwendigen Beobachtungen der einzelnen Sensorsysteme bereitgestellt werden.

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Barbara Essendorfer
  • Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB
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