Ein sogenanntes Smart Home definiert die SmartHome Initiative Deutschland e. V. als »ein intelligent vernetztes Gebäude«. Laut TNS Infratest sind drei Viertel der Deutschen bereit, Smart-Home-Lösungen in ihren Haushalten einzusetzen. Vor allem aus Gründen der Energie- und Kostenersparnis. Die Forschung bietet bereits diverse Lösungen für smarte Wohnumgebungen, intelligente Büros, Hotelzimmer und vieles mehr. Trotzdem ist das intelligente Wohnen nach wie vor ein Zukunftsmarkt. Denn es fehlen integrierte Lösungen, die den breiten Markt erreichen können.

Der Komiker und Autor Horst Evers hat in einem seiner Texte ein rechtes Horrorszenario zu intelligenten und die Menschheit bevormundenden Küchengeräten entworfen. »Ein Kühlschrank sie zu knechten.« Der bestellt tonnenweise Milch, die niemand braucht und automatisch schlecht wird, wenn sie nicht in der Küche getrunken wird. Im öffentlichen Bewusstsein ist Smart Home derzeit allerdings eher mit Energiesparen verbunden und hat seit dem Ausrufen der Energiewende noch einmal deutlich Schub bekommen. Doch das Konzept vom intelligenten Haus umfasst weit mehr, als nur vernetzte Stromzähler und ein intelligentes Netz. Es betrifft alle Lebensbereiche im Haus und erstreckt sich darüber hinaus auch auf Dienste, die von außerhalb kommen. Neben der intelligenten und kosteneffizienten Steuerung von Heizung, Klimaanlage, Licht und Elektrogeräten, die schon heute teilweise umgesetzt sind, kann intelligentes Wohnen auch Ambient Assisted Living, also die technische Unterstützung im Alter und sogar Telemedizin mit einschließen. Somit ist auch der demografische Wandel ein treibender Faktor für diese Entwicklung. Das schlaue Haus soll außerdem für mehr Sicherheit sorgen, indem Türen und Fenster überwacht oder Unfälle gemeldet werden, wenn etwa die Sensoren im Boden melden, dass sich eine Person lange Zeit nicht von einer Stelle weg bewegt hat. Und das intelligente Wohnen soll Spaß machen. Denn der Bereich, der im Moment am weitesten entwickelt ist, ist wohl die Konsumelektronik. Mit Hybrid-TV und geräteübergreifenden Applikationen ist die Unterhaltungselektronik derzeit das smarteste, was in deutschen Haushalten unterwegs ist. Zusammengefasst heißt das bei der SmartHome Initiative Deutschland: »Alles kommuniziert untereinander, um Energie zu sparen und das Zuhause sicher und bequem zu machen.«

Der Weg zum intelligenten, vernetzten und kommunizierenden Haus ist jedoch mit einigen Stolpersteinen ausgelegt. Laut der Studie »Zukunftsbilder der digitalen Welt« haben viele Deutsche, trotz des Willens zum Energiesparen, Angst, dass die Umrüstung zum Smart Home sie teuer zu stehen kommen könnte. Hinzu kommt, dass „die Haustechnik […] leicht administrierbar, nachrüstbar, aufwärtskompatibel, allgemein interoperabel, langlebig und zuverlässig sein“ muss, fasst eine Studie des Instituts für Innovation und Technik zusammen. Standardisierung und Interoperabilität sind die größten Herausforderungen, vor denen das potenziell intelligente Haus steht. Denn im Moment sind noch keine einheitlichen Standards in Sicht, die ein einfaches Aus- und Aufrüsten der Technik in Smart Homes möglich machen würden. Sogar bei intelligenten Stromzählern, die ab 2013 teilweise Pflicht werden, wird noch daran gearbeitet, einheitliche Schnittstellen zu definieren. Unter der Leitung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik wurde erst jetzt ein Schutzprofil für die Kommunikationseinheit eines intelligenten Messsystems (Smart Meter) im Smart Grid entwickelt, das jedoch erst noch rechtlich verbindlich werden soll. Es bezieht sich auf verschiedene Schnittstellen eines intelligenten Stromzählers. Zusätzlich muss auf Datenschutzbedenken eingegangen werden. Daten, die im Haus verarbeitet werden, sollten auch dort verbleiben bzw. nur mit Einwilligung der Bewohner beim Dienstleister oder in einer Cloud gespeichert werden, fordert etwa die SmartHome Initiative. Auch müssten zukünftig errichtete Gebäude analog der Energiesparverordnung schon über eine Grundautomation und Heimvernetzung verfügen und ein leichter Wechsel des Gebäudeautomatisierungssystems ermöglicht werden, um Monopolstellungen einzelner Anbieter zu vermeiden. Und das sind nur einige der Voraussetzungen, die geschaffen werden müssen, um intelligentes Wohnen in der breiten Anwendung zu ermöglichen. 

In Japan verkauft Toyota bereits intelligente Häuser und andere Anbieter drängen ebenfalls auf den Markt. In Deutschland werden die Technologien des intelligenten Wohnens derzeit noch nur in einzelnen Projekten getestet. So zum Beispiel im inHaus in Duisburg, einem Forschungszentrum für Nutzimmobilien. Hier wird umgesetzt und getestet, was einmal Realität und Alltag sein könnte. Zum Beispiel gibt es ein intelligentes Hotelzimmer, zu dem eine Lichtsteuerung bis hin zur Farbe, ein Zimmerserviceroboter und ein Bett gehört, das per Sprachbefehl zum Schwingen gebracht werden kann. Die Europäische Union, sieben Fraunhofer-Institute, der Bund, das Land Nordrhein-Westfalen und ca. 100 Partner aus Industrie und Wirtschaft sind am inHaus beteiligt. Und natürlich fehlen auch die intelligenten Möbel und Haushaltsgeräte nicht, vor denen Horst Evers so viel Angst hatte. Doch ein selbstbestellender Kühlschrank ist nicht dabei. »Den hat’s hier eigentlich nie gegeben. Das war ja auch immer eine Anwendung, die ein bisschen mit einem Augenzwinkern kommuniziert wurde«, erklärte der damalige Leiter des inHaus Viktor Grinewitschus dem Deutschlandfunk im September dieses Jahres. Wenn sich jedoch die Heizung energiesparend selbst reguliert, das Haus signalisiert, wenn eine Tür oder ein Fenster offen gelassen wurde oder der Ofen sich von allein abschaltet bevor es brennt, dann ist ein wenig Bevormundung durch das eigene Haus vielleicht gar nicht so verkehrt. (kda) 

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