Strom auf dem eigenen Dach selbst erzeugen oder effizienter Heizen durch Gebäudedämmung und energiesparende Heizsysteme – viele der Maßnahmen zur Umsetzung der Energiewende liegen nicht in Mieterhand. Dennoch können auch sie in ihren Hauhalten einen Beitrag dazu leisten. Monitoring und Auswertungen von Raumklima und Energieverwendung in den Wohnungen helfen Mietern, ihre persönlichen Energiesparpotenziale zu nutzen und gleichzeitig ein optimales Wohnklima zu schaffen.

Mehr als einen Euro pro Quadratmeter bezahlt ein Mieter im Durchschnitt jeden Monat für Heizung und Warmwasser. Das hat der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. errechnet. Wärme hat den größten Anteil an den Betriebskosten einer Wohnung. Sie ist zu einer Art »zweiten Miete« geworden. Eine Erhöhung der Energieeffizienz ist damit nicht nur politisch gewünscht (nach den Plänen der Bundesregierung soll der Primärenergieverbrauch in den kommenden 35 Jahren um rund 50 Prozent reduziert werden), sondern im ureigenen Interesse der Mieter. Für die Beheizung von Gebäuden wird deutschlandweit die meiste Energie eingesetzt: Rund 40 Prozent des deutschen Energieverbrauchs fließen in die eigenen vier Wände.

Während Eigentümer von Wohnimmobilien den Wärmebedarf ihres Hauses im Zuge einer energetischen Sanierung nachhaltig verringern können, haben Mieter in der Regel kaum eine Möglichkeit, über Maßnahmen wie Modernisierung von Fenstern und der Heizungsanlage oder Wärmedämmung von Dach und Außenwänden zu entscheiden. Mit anderen Worten: Wer als Mieter seine Wohnung in Eigeninitiative energetisch sanieren will, steht in aller Regel vor verschlossenen Türen. Mehr als 50 Prozent aller Haushalte in Deutschland sind davon betroffen.

Dass Mieter dennoch einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Energieeffizienz leisten können, zeigen die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftmathematik ITWM. Im Projekt »Energiemanagement für Mietwohnungen mit Open-Source Smart Metern (EMOS)«. werden bis zu einhundert Pilothaushalte in Kaiserslautern aktuell mit einem eigens entwickelten Mess- und Auswertungssystem zur Analyse des Stromverbrauchs und des Raumklimas in Wohnräumen ausgestattet. Das Projekt wird mit Mitteln der Forschungsinitiative »Zukunft Bau« des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung geförderten.

Die »EMOS«-Teilnehmer erhalten kleine, einfach zu installierende Geräte, die in der Wohnung Temperatur und Luftfeuchte aufzeichnen und drahtlos mit einer Analyseplattform verbunden sind. Dieses kontinuierliche Feedback ermöglicht den Haushalten, die Heizungssteuerung und das Lüften der Räume genau im Auge zu behalten, um den Energieverbrauch zu optimieren. Zudem ergeben sich auf diese Weise neue Möglichkeiten, das Raumklima auch unter gesundheitlichen Aspekten zu verbessern. »Die Luftfeuchtigkeit in den Wohnräumen ist häufig zu hoch. Damit besteht die Gefahr von gefährlicher Schimmelbildung an kalten Außenwänden oder in kalten Ecken. Optimales Heizen und Lüften spart somit nicht nur Heizenergie, sondern kann auch für ein besseres Wohnklima sorgen», erklärt Monika Schappert vom Fraunhofer ITWM.

Das Monitoring-System informiert jederzeit über die aktuellen Werte von Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Zusätzlich erhält der Mieter mit einfachen Symbolen Empfehlungen, wie er aktuell das Raumklima verbessern kann. Beispielsweise bestätigt ein lachendes Gesicht, dass die aktuellen Werte im optimalen Bereich liegen. Das Symbol eines geöffneten Fensters weist darauf hin, dass der Raum gelüftet werden sollte, um die Luftfeuchtigkeit zu verringern. Auf ihrem Smartphone, Tablet oder PC haben die Projektteilnehmer Zugriff auf die gespeicherten Daten zum Raumklima ihrer Wohnung. Über eine personalisierte und nur für sie zugänglichen Webseite können sie sich anhand zusätzlicher Auswertungen über die erreichte Energieeinsparung beim Heizen und das Raumklima im zeitlichen Verlauf informieren. »So haben die Bewohner die Möglichkeit, eigeninitiativ zu lernen und zu begreifen, wie sie durch kluges Lüften und Heizen ihr Raumklima und ihren Energieverbrauch nach und nach optimieren«, so Schappert.

Mit dem Feedback-System für das Wohnraumklima ergänzen die Forscher ihre Open-Source Lösungen für effizienten Energieeinsatz in Haushalten. Das im Projekt »EMOS« eingesetzte Mess- und Analysesystem basiert auf dem ebenfalls vom Fraunhofer ITWM entwickelten HexaBus-System für Heimautomatisierungssysteme. Das Bussystem arbeitet mit dem Internetprotokoll IPv6 und ermöglicht so die einfache Integration von neuen Funktionen, Lösungen und Geräten. So ist beispielsweise die Konfiguration von Komponenten mit jedem herkömmlichen Web-Browser möglich.

Damit die »EMOS«-Testhaushalte nicht nur ihren Heizenergieeinsatz optimieren können, erhalten die Wohnungsmieter zusätzliche Systemkomponenten zum Monitoring ihres Stromverbrauchs. Über den sogenannten »Flukso« beispielsweise werden die Stromverbräuche in der Wohnung erfasst. Mit den über die persönliche Webseite abrufbaren Auswertungen lassen sich so sehr einfach Geräte mit besonders hohem Anteil am individuellen Stromverbrauch erkennen und effiziente Maßnahmen zum Energiesparen umsetzen. Dafür nutzen die Haushalte die Analyseplattform und die Smart-Meter-Komponenten, die bereits seit 2010 vom Fraunhofer ITWM im Projekt »mySmartGrid« eingesetzt werden. An diesem Projekt  nehmen weitere Pilothaushalte teil. Darunter sind neben Mietern auch Hauseigentümer, die nicht nur Strom verbrauchen, sondern etwa über eine Photovoltaikanlage auch selbst Strom erzeugen. Das System ermöglicht ihnen nicht nur, den eigenen Stromverbrauch und -ertrag aufzuzeichnen und auszuwerten. Sie können damit auch ihren Eigenverbrauch gezielt erhöhen. Zum Beispiel wenn sie ihre Waschmaschine so steuern, dass sie dann zu arbeiten beginnt, wenn die Sonne viel Strom liefert. Oder der Elektroroller kann dann geladen werden, wenn die Sonne scheint und wird abgeschaltet, wenn der Ladezyklus beendet ist.
(stw)

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Monika Schappert
  • Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM
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