In Duisburg stehen zwei intelligente Häuser, genannt inHaus1 und inHaus2. Was sie so intelligent macht, ist die darin verbaute Technik – Busse, auf denen Daten auf Reisen gehen, Server, auf denen sie verarbeitet werden, Sensoren, die Geräte aktivieren oder Notrufe auslösen und selbsttätig die Heizung regulieren. Hier wird an der Integration aller in einem Gebäude vorhandenen Technologien geforscht und gearbeitet, denn die Entwicklung ist nie abgeschlossen. Teil 2 des Spaziergangs durch die Gebäudewelten von morgen.

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Fortsetzung - Das iPad war der entscheidende Durchbruch, was die Akzeptanz des Smart Home angeht. Das Pad funkt über WLAN an eine zentrale Steuereinheit, und die spricht dann die einzelnen Gewerke an, über verschiedene Leitungen oder über Funk. Dabei ist egal, welche Marke der Fernseher oder die Küchengeräte haben. Beim Verlassen des Hauses können verschiedene Szenarien gefahren werden. Bei »langem Verlassen«, also etwa Urlaub, muss man sich um offene Fenster und angelassene Heizungen und Küchengeräte keine Sorgen mehr machen. Das regelt das Haus selbsttätig. Will einer der Bewohner eine DVD schauen, fährt das Haus automatisch die Jalousien herunter, wenn es zu hell ist. Auch die DVD kann er über die zentrale Steuerung des Hauses auswählen. Allerdings nur, wenn die Bewohner das auch wollen. Die jeweiligen Szenarien können die Bewohner des Hauses selbst einstellen oder auch bei Bedarf leicht abschalten. »Wir haben ganz viele Kunden, die sagen: Ich will kein intelligentes Haus. Ich will ein vernetztes Haus. Nicht dass es nachher auf die Idee kommt, Dinge zu machen, die ich nicht will.« Dementsprechend spricht Löhrke auch von Assistenzfunktionen und nicht von Automatikfunktionen. Der Bewohner hat das letzte Wort. »Das ist wie beim Navi«, ergänzt Scherer. »Wenn das Navi sagt, linksrum fahren, können Sie ja trotzdem rechtsherum fahren.«

Aber vor allem beim Energiesparen kann integrierte Haustechnik helfen, denn sie setzt beim Verbrauch an. »Die größten Energieverbraucher sind die Gebäude, mit 41 Prozent. Und von dieser Energie entfallen 80 bis 85 Prozent auf den Wärmebereich, nur 15 Prozent auf den Strom«, weiß Scherer. Da bietet eine bedarfsgerechte Steuerung der Heizung enorme Einsparpotenziale. »Wenn ein Smart Home weiß, die Bewohner sind aus dem Haus, geht die Heizung runter auf 15 Grad. Um drei Uhr nachmittags sind alle wieder da, geht sie wieder hoch. Vor dem Schlafengehen wieder runter. Darin liegen Einsparpotenziale von 20 bis 30 Prozent.« Die Gebäudeautomation wird laut Scherer beim Energiesparthema stark vernachlässigt. Dabei ist sie schon jetzt verfügbar, effektiv und amortisiert sich schnell. Beim Verlassen des intelligenten Hauses hält Klaus Scherer nochmal kurz an der Tür. »Sehen Sie mal, so sah die erste Steuerung aus«, sagt Herr Scherer und dreht einen jetzt altertümlich anmutenden Regler neben der Tür auf 1. »Kurze Abwesenheit,« ertönt plötzlich eine blecherne Computerstimme. »Licht aus, Fenster zu.« So klang das damals, als hier vor ein paar Jahren die Sendung mit der Maus zu Gast war. »Wir lassen auch ältere Technik drin, um zu sehen, wie sich alles entwickelt«, lautet die Erklärung.

Zurück im inHaus2 fühle ich mich dann plötzlich doch wie auf der Enterprise. Wir stehen im Showcase Future Hotel, einem Traum in konkavem Weiß mit LED-Himmel. Dieser zaubert die verschiedensten Stimmungen. Das riesige Fenster lässt sich durchlässig oder auch undurchlässig gestalten und als Bildschirm in Leinwandgröße benutzen. Integriert in das Bad ist eine Infrarot-Sauna. Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO ist federführend bei diesem Projekt und hat zuvor eine Umfrage durchgeführt. »Da kam heraus, dass die Leute in den Luxushotels alles in ihrem Zimmer drin haben wollen. Sie wollen sich nicht mit fünfzig anderen Leuten in die Sauna setzen«, berichtet Scherer. Das nicht minder futuristische Bad ist hinter dem Bett integriert. »Das hier finde ich besonders nett«, sagt Klaus Scherer und macht das Wasser am Waschbecken an. Es kommt über eine breite Brücke geflossen und leuchtet blau. »Wenn man es jetzt warm stellt, dann wechselt es die Farbe. Das hat auch eine gewisse Warnfunktion«, erklärt er weiter. Und siehe da, das Wasser wird erst orange und dann rot, als es richtig heiß ist. Manchmal sind es eben die kleinen Dinge …

Und dann stehen wir vor einer Tür, die mal aussieht wie der Eingang zur Hölle und dann wieder zu einem Schwimmbad oder Kinderzimmer. Denn sie wechselt ständig ihre Farbe. In dem komplett nachgebauten Hotelflur werden hieran die Möglichkeiten der intelligenten Tür ausprobiert. »Da können Sie dann der Dame von der Telekom sagen, Ihre Tür ist magentafarben, damit sie Sie gleich findet«, scherzt Klaus Scherer. Hinter der Tür verbirgt sich ein weiteres Hotelzimmer, das zwar nicht aussieht wie aus einem Science-Fiction-Film, dessen Werte sich jedoch im Inneren verbergen. Es ist ein modular aufgebautes Zimmer, mit dem die Auslastung von Hotels erhöht werden soll. Eine weitere Anforderung, die die Studie ergeben hat. Aus dem einen Zimmer kann wahlweise eine Suite für eine Familie, zwei kleine Zimmer für Geschäftsleute oder auch ein Konferenzraum gemacht werden. Auch das Bad ist sehr platzsparend eingerichtet. Klaus Scherer zieht an einer der Wände, und nachdem diese einmal um ihre Mittelachse rotiert ist, kommt ein auf der anderen Seite montierter Duschkopf zum Vorschein, wo vorne ein Toilettensitz war. 

Und wie sieht die unmittelbare Zukunft des inHaus-Zentrums aus? Im Moment sind lautstark Bauarbeiten im Gange. Hier entsteht der neue Bereich Hospital Engineering des Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST. Eine Krankenhaussimulation, die vom Eingangsbereich bis zum OP alles enthalten wird, was gebraucht wird, um intelligente Steuerungen in dieser Umgebung zu testen. »Das wird nächstes Jahr bestimmt das nächste große Ding«, sinniert Scherer. Und was bringt die Zukunft sonst noch? »Ich wünsche mir, dass die Technologien sich über Pilotprojekte noch weiter verbreiten«, sagt Klaus Scherer. »Und, dass wir in fünf Jahren nicht mehr vom intelligenten Haus sprechen, dass es dann einfach Standard ist. Wie beim Auto. Und dass der Begriff intelligentes Haus einfach verschwindet.« (kda)

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