Mit dem Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung steigt auch der Bedarf an Pflege und medizinischer Versorgung. Wer hilfe- und pflegebedürftig ist, hat häufig den Wunsch, möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben zu können. Mobile Kommunikationsassistenten wie der Roboter »ALIAS« sollen helfen, diesen Wunsch zu erfüllen. Der Roboter wird per Sprachsteuerung oder Touchscreen bedient und sorgt nicht nur für Geselligkeit und Unterhaltung, sondern kann im Notfall auch einen Notruf absetzen.

Während die Lebenserwartung der Menschen steigt, sinken die Geburtenraten. Die Folge: In den kommenden Jahren wird der Anteil der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung weiter anwachsen. Während im Jahr 2008 hierzulande noch 16,7 Millionen Menschen 65 Jahre und älter waren, wird ihre Zahl laut dem Statistischen Bundesamt bis 2030 voraussichtlich um ein Drittel (33 Prozent) auf 22,3 Millionen Personen ansteigen. Dieser demografische Wandel stellt die Gesellschaft vor große Herausforderungen. Um den Bedürfnissen der älteren Generation nachzukommen, bedarf es der Hilfe von Staat, Forschung und Industrie. 

Die meisten Menschen haben im Alter vor allem einen Wunsch: Möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben können. Auch wenn Hilfe- und Pflegebedürftigkeit eintreten, möchten sie ihr Leben in der ihnen vertrauten Umgebung selbstbestimmt fortführen. Neben Maßnahmen, die die eigene Wohnung barrierefrei machen, bietet auch die Technik zahlreiche Möglichkeiten, die Lebensqualität älterer Menschen zu bewahren. So soll beispielsweise die Forschung im Bereich des Ambient Assisted Living (AAL) es möglich machen, bis ins hohe Alter selbständig zu bleiben. 13 Fraunhofer-Institute haben sich zu der Allianz AAL zusammengeschlossen und arbeiten gemeinsam an AAL- und »Personal Health«-Systemlösungen. Unter ihnen ist auch das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT, das mit dem mobilen Kommunikationsassistenten »ALIAS« (Adaptable Ambient Living Assistant) einen Helfer für den Alltag von älteren Menschen entwickelt hat. Es handelt sich um einen 1,55 Meter großen Roboter, der in Pflegeheimen und in Privathaushalten eingesetzt werden soll. Entwickelt wird er von der Projektgruppe Hör-, Sprach- und Audiotechnologie zusammen mit interdisziplinären Partnern aus Hochschulen, Unternehmen und Endnutzer-Organisationen . Seit 2010 arbeitet das ALIAS-Konsortium an der Entwicklung des Roboters, der über eine integrierte Audio- und Videotechnologie verfügt. »Viele Menschen leben im Alter allein. Sie möchten noch nicht in ein Pflegeheim, doch zuhause fühlen sie sich häufig nicht sicher genug. Hinzu kommt die Gefahr, zu vereinsamen. Ziel von »ALIAS« ist es, der sozialen Isolierung entgegen zu wirken und seinen Nutzern ein größeres Sicherheitsgefühl zu geben«, sagt Projektleiter Stefan Goetze. Die Kommunikation ist dabei das wichtigste Element. »ALIAS« lässt sich sowohl mithilfe einer Sprachsteuerung, als auch über einen berührungsempfindlichen Bildschirm bedienen. »Am Fraunhofer IDMT entwickeln wir die natürliche Interaktion mit »ALIAS« mittels Sprache sowie seine graphische Benutzeroberfläche. Dabei achten wir darauf, dass alle Buttons groß genug sind und eine intuitive und benutzerfreundliche Bedienung erlauben«, sagt Goetze. Wenn Spracherkennung für die Steuerung von »ALIAS« eingesetzt werden soll, so muss diese auch ohne Headset robust eine zuverlässige Erkennungsleistung erreichen. »ALIAS« soll also die gesprochenen Kommandos möglichst fehlerfrei erkennen. Die Forscher nutzen daher Erkenntnisse über das Hören und Sprachverstehen beim Menschen, um es »ALIAS« zu ermöglichen, selbst bei Störgeräuschen im Haushalt seinen Nutzer noch gut verstehen zu können. Zur Zeit arbeiten die Forscher außerdem daran, dass sich die Menüansicht auf die Sehfähigkeit des Benutzers und die Sprachverständlichkeit auf seine Hörfähigkeit einstellen lässt.

Der Kommunikationsassistent soll nicht etwa die zwischenmenschlichen Kontakte zu Freunden, Verwandten und Nachbarn ersetzen, sondern seinem Nutzer helfen, bestehende Kontakte zu pflegen, ihn zur Kommunikation mit anderen anregen und zu mehr Aktivität motivieren. So schlägt er zum Beispiel vor, sich mal wieder bei den Enkeln zu melden und baut auf Wunsch direkt eine Telefonverbindung über das Internet auf. Auch Videotelefonie ist möglich. Besteht keine Internetverbindung, greift »ALIAS« mittels UMTS auf ein mobiles Netzwerk zu. Mithilfe einer integrierten Kalenderfunktion erinnert der Roboter an Termine und Tabletteneinnahmen. Und er sorgt auch für Unterhaltung: Man kann mit ihm Spiele wie Solitär, Soduko oder Schach spielen, er spielt Musik und Hörbücher ab und liest aus der Zeitung vor. Außerdem verfügt er über eine eingebaute Wii-Konsole sowie eine TV-Karte. Die vier Webcams, die auf dem »Kopf« des Roboters angebracht sind, erfassen mittels Gesichtserkennung, wo sich der Nutzer befindet und bewegen den Bildschirm stets in dessen Richtung. Auch eine Eventdatenbank hält »ALIAS« für seinen Nutzer bereit und informiert ihn über Veranstaltungen wie Konzerte oder Theateraufführungen, die in seiner Nähe stattfinden. Doch der Roboter bietet nicht nur Kommunikations- und Unterhaltungsmöglichkeiten, im Notfall setzt er auch einen Notruf ab. Dies geschieht entweder über die Sprachsteuerung oder über einen Notfall-Button auf dem Touchscreen. 

»»ALIAS«, komm' mal her!« - Die Spracherkennung ist bereits so ausgereift, dass der Roboter den Sprecher an seiner Stimme erkennt und somit mehrere Sprecher unterscheiden kann. »Dies ist vor allem dann wichtig, wenn er in einem Pflegeheim zum Einsatz kommt, und dort zum Beispiel in der Empfangshalle oder im Gemeinschaftsraum mehreren Nutzern zur Verfügung stehen soll«, erklärt Goetze. In einem weiteren Projekt des Fraunhofer IDMT arbeiten er und sein Team zur Zeit an einer Technologie, die akustische Ereignisse differenzieren und so beispielsweise Wimmern, Schreien oder den Sturz einer Person am Geräusch erkennen können soll. Sobald dies gelungen ist, soll auch diese Funktion in den Kommunikationsassistenten eingebaut werden. 

»Zur Zeit gibt es einen marktnahen Prototyp. Die Kosten der aktuellen Version des Roboterherstellers liegen bei 12.000 Euro«, so Goetze. 2013 wird das dreijährige Projekt abgeschlossen. Anschließend rechnen die Forscher mit einem weiteren Jahr, in dem »ALIAS« bis zur Marktreife entwickelt wird.

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Dr. Stefan Goetze
  • Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT
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