Unser Kühlschrank hat bei uns zu Hause immer noch nicht viel zu sagen! Ich leide schon lange unter diesem doofen Beispiel vom sprechenden Herrn über alles Coole, aber wir nähern uns nun doch ganz langsam dem »Internet ofThings«.

Mein neues Auto redet jetzt schon, wenn der Kofferraum offen ist, und das nächste wird wohl auch automatisch das Licht einschalten. Das Haus mault entsprechend bei unverschlossener Kellertür, und der Toilettenausgang fragt meinen Reißverschlussstatus ab. Sensoren passen auf Kinder auf und melden heran­ziehende Krankheiten. Wo ist das eine Buch, das ich gerade suche? Piep! Die zweite Socke? Piep. So richtig wegweisend nützlich ist das ja noch nicht!

Wissen Sie, was ganz unscheinbar revo­lutionär ist? Geben Sie jedem Menschen einen Laptop mit Internet-Flatrate per UMTS. Bei IBM können wir jetzt überall arbeiten. Klar! Klar! Aber wissen Sie, was bei uns passiert ist? Wir hassen es, wenn jemand noch etwas auf Papier schickt. Das stört jetzt. Der Funkeinsatz hat zum endgültig papierlosen Büro geführt. Was müssen wir jetzt also tun? Ich plädiere dafür, alle Firmen und die ganze Staatsverwaltung wie IBM auszustatten und dann tut sich etwas, so wie sich Digitalkameras erst durch­setzten, als es Papierbilder bei Schlecker gab. Die Ingenieure und Techies denken sich leider zu sehr Einzelerfindungen aus, wo wir einfach eine umwälzende Infra­struktur brauchen. Ich glaube, eine Riesen-Flat-Screen-­Wohnwand wäre wieder so etwas. Eine ganze Wand im Esszimmer als Kino. 

Dann schalte ich meine Freunde zu einem gemeinsamen Frühstück. Ich sehe sie und sie sehen uns. In Lebensgröße - NICHT auf einem kleinen Fernseher. Wir leben dann ab und zu eine Stunde zusammen. Second Life wäre damit eine Wucht. Wir können wirklich live bei großen Events sein. Papst gucken! Elfmeterschießen bibbern! Bei großen Screens erleben wir endlich Emotionen und gegenseitige Intimität, die ein Telefon nicht bietet. Haben wir nicht bei der Fußball-WM körperlich gespürt, wie sehr die Bild­schirmgröße und die Menschen dabei das ganze Empfinden verändern können?

Sehen Sie? Das ist wieder eine unschein­bare Revolution. Und als Idee einfach. Aber dann kann ich den Bankberater oder Kindergeldexperten zuschalten, in der Firma arbeiten und auch beim Kun­den, der mich ja jetzt arbeiten sehen kann. Auf dem Riesenbildschirm haben sicher noch kleine Bildschirme Platz, die den Fernseher, andere Kollegen und die Waschmaschinenstatusanzeige enthalten. Und wir selbst bleiben zu Hause! Dann leben wir irgendwo, nicht mehr in der Stadt. Wir reisen weniger. Wir müssen alle unsere Häuser umbauen oder wenigstens die Wohnwände verändern. Die Immobili­enbranche wird zittern, die Umbaubranche jubeln, die Netzbetreiber Freudentränen vergießen. Und die Hotels?

Wir könnten uns in alle Kameras dieser Welt schalten, den Platz in Siena betrach­ten oder Unglücke zappen. Und die Inder sind hier, echt virtuell hier, und sie sitzen virtuell neben meinem Arbeitskollegen von den Philippinen ...

Keine Kommentare vorhanden

Das Kommentarfeld darf nicht leer sein
Bitte einen Namen angeben
Bitte valide E-Mail-Adresse angeben
Sicherheits-Check:
Eins + = 11
Bitte Zahl eintragen!
image description
Autor
Alle anzeigen
Prof. Dr. Gunter Dueck
  • Kolumnist
Weitere Artikel
Alle anzeigen
Smart Home? Gar kein Problem!
Damit »zweite Miete« senken
Smart Energy Solutions
Veranstaltungen
Alle anzeigen
Stellenangebote
Alle anzeigen