Bei der diesjährigen langen Nacht der Wissenschaften führten die Fraunhofer-Verbünde IUK-Technologie und Mikroelektronik gemeinsam eine Befragung durch, die unter dem Motto stand: »Meine Generation und ich«. Die Generationen sollten im Ergebnis durch ihren Umgang mit Technik charakterisiert werden. Dabei kam unter anderem heraus, dass sich zwar keine Generation mehr ein Leben ohne Internet vorstellen kann, für alle jedoch die Schallplatte nach wie vor ein Begriff ist und von einer ganzen Zahl von Leuten auch heute noch aktiv genutzt wird. Andere Medienformate sind aus dem Gedächtnis mancher Generationen hingegen schon verschwunden, während das erste Telefon bei den meisten tatsächlich noch eine Schnur hatte.

Der Technologiegebrauch der verschiedenen Generationen unterscheidet sich zwar in vielerlei Hinsicht, jedoch nicht so stark, wie man das vielleicht noch annimmt. Die Ergebnisse der Umfrage, auf die 375 Leute antworteten, waren vor allem geprägt vom Trend zur Konvergenz. So wie sich immer mehr verschiedene Formate auf einem Gerät versammeln, scheinen sich auch die Generationen in ihrer Nutzung technischer Geräte wieder anzunähern. Handys und Computer spielen bei allen Altersgruppen die Hauptrolle. Alle unter 50 haben allerdings eine Präferenz für ihr, vermutlich inzwischen größtenteils intelligentes, Telefon, während bei den Generationen jenseits der 50 sich diese Vorliebe in Richtung Rechner verlagert. Die über 60-jährigen haben darüber hinaus eine Schwäche für Tablets.

Im Folgenden sollen verschiedene Altersstufen jeweils einzeln betrachtet werden.

Die unter 19-jährigen, also alle, die nach 1993 geboren wurden, lesen Nachrichten eher online (72 Prozent), schauen Filme sowohl online (64 Prozent) als auch im Kino und TV (87 Prozent) und beim Kontakt halten nutzen sie Facebook und E-Mail fast in gleichem Maße. Facebook hat dabei rund 13 Prozentpunkte Vorsprung (67 zu  56 Prozent). Es wird in dieser Altersklasse von 67 Prozent regelmäßig genutzt, 23 Prozent lehnen es allerdings ab.
Von Tumblr haben 44 Prozent der Jüngsten allerdings noch nichts gehört und 31 Prozent sagen, sie brauchen das nicht. Tumblr ist eine 2007 gegründete Blogplattform, die gerade für 1,1 Milliarden Dollar (rund 855 Millionen Euro) von Yahoo gekauft wurde. 3,5 Mio. Nutzer hat die Seite in Deutschland und liegt damit nahezu gleichauf mit Twitter. Auch von AOL haben in dieser Altersgruppe 44 Prozent noch nie gehört. AOL war einst einer der bedeutendsten Internetanbieter, hat aber in den letzten Jahren stark an Bedeutung verloren. Für 70 Prozent dieser Altersgruppe wäre allerdings ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellbar, für 30 Prozent von ihnen schon. Der Begriff Firefox gehört denn auch für alle zum Standardwissen, während BTX und auch Betamax für knapp 90 Prozent, also so ziemlich alle, kein Begriff mehr sind. BTX (Bildschirmtext) wurde 1983 auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) vorgestellt. Technisch gesehen war der BTX bereits nah am Internet. Telefonleitungen wurden dazu genutzt, um digitale Informationen zu übertragen und auf einem Bildschirm anzuzeigen. In Frankreich hat sich die Variante Minitel erstaunlich lange bis ins Internetzeitalter gehalten und erlebte erst 2012 ihr offizielles Aus. Betamax wiederum war ein 1975 von Sony vorgestelltes Kassettenformat für Audio- und Videosignale, das sich jedoch nicht durchsetzen konnte. Doch 38 Prozent der unter 19-jährigen haben auch von DVB-T noch nichts gehört. Nur 15 Prozent geben an, es regelmäßig zu nutzen. Die Schallplatte ist hingegen allen in dieser jungen Altersgruppe noch ein Begriff, auch wenn 33 Prozent sagen, dass das nichts für sie ist. Aber gut 56 Prozent haben schon mal eine aufgelegt und knapp 8 hören sie sogar regelmäßig.

Die Generation, die derzeit zwischen 20 und 40 Jahren alt ist, liest Nachrichten zu einem überwältigenden Großteil von 84 Prozent online, sieht Filme fast gleichermaßen online (58 Prozent) als auch im Kino und TV (70 Prozent) und nutzt für die Kontaktpflege zu 82 Prozent E-Mail und zu 49 Prozent Facebook. 65 Prozent in dieser Altersstufe nutzen letzteres regelmäßig. Von Tumblr haben jedoch auch in dieser Altersgruppe 41 Prozent noch nie etwas gehört und für weitere 41 Prozent ist es uninteressant. Von AOL haben in dieser Altersgruppe noch die meisten etwas gehört, aber kaum jemand nutzt die Services. Diese Generation ist offenbar schon alt genug, als dass sie Boris Becker noch »Ich bin drin!«  hat sagen hören. Denn ›drin sein‹ ist auch für diese Generation sehr wichtig: 71 Prozent könnten sich ein Leben ohne Internet nicht vorstellen. Und zwar mit Firefox. Auch hier nutzen knapp 76 Prozent den Browser mit dem Fuchs. BTX und Betamax sind hingegen auch bei den in den 1980er Jahren geborenen für über 73 und 78 Prozent respektive kein Begriff mehr. Von DVB-T sagen 14 Prozent, es sei nichts für sie und ein Drittel nutzt es regelmäßig. Auch haben 63 Prozent schon mal eine Platte auf den Teller gepackt und knapp 20 Prozent tun das immer noch regelmäßig.

Bei Leuten zwischen 40 und 60 verteilt sich das Nachrichtenlesen fast gleichmäßig auf Internet und Zeitung (59 vs. 64 Prozent), Filme und Videos werden von 91 Prozent im Kino und TV geschaut und auch der Kontakt geht für stolze 95 Prozent über E-Mail – eine Generation mit relativ klaren Vorlieben. Trotzdem schreiben 46 Prozent auch noch Postkarten. Über die Hälfte der Befragten sagt über Facebook, dass das nichts für sie sei, nur 20 Prozent nutzen es regelmäßig. Dafür haben 62 Prozent der Generation 40+ noch nie etwas von Tumblr gehört. Dennoch: für 64 Prozent ist das Leben ohne Internet nicht vorstellbar, dabei gehen 66 Prozent mit Firefox rein. Von AOL haben auch hier die meisten noch etwas gehört, gut die Hälfte gaben jedoch an, dass es nichts für sie sei, auch wenn 22 Prozent es schon mal genutzt hat. Auch in dieser Generation hat man von BTX und Betamax nicht so viel gehört – jeweils 40 und 57 Prozent gaben an, mit dem Begriff nichts anfangen zu können. Von DVB-T haben wiederum 21 Prozent noch nichts gehört, während knapp 30 Prozent angaben, es regelmäßig zu nutzen. Die Schallplatte kennen alle, sie wurde von 66 Prozent schon mal benutzt und 24 Prozent tun das regelmäßig.

 

Die über 60-jährigen: Auch in dieser Altersgruppe werden Nachrichten von ähnlichen Teilen (61 zu 56 Prozent) mal online und mal klassisch in der Zeitung gelesen. Und ein Leben ohne Internet können sich auch in dieser Generation 86 Prozent nicht mehr vorstellen. Von Facebook sagen 64 Prozent der Generation 60+, dass das nichts für sie sei, aber 22 Prozent nutzen es immerhin regelmäßig. Filme und Videos werden auch hier hauptsächlich klassisch im Fernsehen und im Kino angeschaut (89 Prozent). Und auch für diese Altersstufe ist das hauptsächliche Kontaktmedium die E-Mail (81 Prozent), bei 47 Prozent auch noch die Postkarte. Auch hier nutzen 61 Prozent regelmäßig Firefox. AOL ist den meisten in dieser Generation ein Begriff, aber 47 Prozent sagen, das sei nicht ihr Ding. Von BTX hat ein Viertel nichts gehört und ein weiteres knappes Drittel sagt, dass sei nichts für sie. Bei Betamax waren es sogar auch in dieser Altersgruppe noch 36 Prozent, denen der Begriff nichts sagte. Von DVB-T hatten so ziemlich alle schon einmal gehört; 28 Prozent sagten, sie nutzten es regelmäßig. Die Schallplatte wurde auch hier von über 61 Prozent schon mal benutzt und von über einem Viertel gar noch regelmäßig. Bei der Schallplattennutzung erreicht diese Generation erwartungsgemäß den höchsten Wert: 31 Prozent legen regelmäßig auf.

Generationenübergreifend lässt sich feststellen, dass die einzelnen Altersstufen sich in ihrem Technikgebrauch nicht mehr radikal unterscheiden. Alle, die heute leben, haben offenbar noch mit einem Telefon mit Wählscheibe und Schnur angefangen – bei allen über 30 sind es zwischen 80 und 100 Prozent und bei den unter 30-jährigen noch zwischen 60 und 70 Prozent. Heute haben die hauptsächlich genutzten Telefone vieler allerdings sowohl eine Kamera (52 Prozent), als auch Internet (51 Prozent) und können SMS verschicken (63 Prozent). Auch ein Leben ohne das Internet kann sich keine Generation mehr vorstellen. Der geringste Wert findet sich bei den über 70-jährigen, aber auch da sind es noch 57 Prozent, die der digitalen Welt offenbar schon so stark verbunden sind. Am stärksten ist dieses Lebensgefühl bei den 30-39-jährigen ausgeprägt, bei ganzen 75 Prozent. Facebook ist allen Altersgruppen ein Begriff, nur drei Befragte insgesamt sagten, sie würden es nicht kennen. Bei der regelmäßigen Nutzung sind die 20 bis 29-jährigen ganz vorn, mit ca. 75 Prozent, gefolgt von den unter 19-jährigen mit 67 Prozent. Bei Menschen in den 30ern sind es allerdings nur 46 Prozent, danach nimmt die Nutzung mit steigendem Alter ab, wobei die 60+ einen Ausreißer mit 29 Prozent darstellen. Die Schallplatte ist so ziemlich allen noch ein Begriff. Nur 2 Leute gaben an, dass sie davon nichts mehr gehört hatten. Postkarten erfreuen sich ebenso generationenübergreifend nach wie vor relativer Beliebtheit, auch wenn erwartungsgemäß gilt: je älter desto lieber wird eine versendet. Jedoch gaben auch von den unter 19-jährigen noch knappe 40 Prozent an, welche zu schreiben und auch von den Generationen 30+ und 40+ noch je ein ungefähres Drittel. Bei den Befragten über 50 bewegen sich die Prozentzahlen dann im Bereich etwas über 40 Prozent und bei den über 70-jährigen sind es 50 Prozent. Die größten Unterschiede finden sich zum Beispiel beim Konsum von Videos und Spielfilmen, die für die jüngeren Generationen eindeutig eher im Netz stattfindet. Obwohl auch hier Kino und TV durchaus noch eine Rolle spielen. Je älter eine Generation, mit desto mehr Formaten für verschiedene Medien ist sie aufgewachsen und desto länger haben sie ein bestimmtes Medium in ihrem Leben benutzt. Die verstärkte Nutzung der Schallplatte in den älteren Jahrgängen verwundert also nicht, obwohl gerade dieses Medium unter den Vorzeichen Exklusivität und Retrowert gerade wieder eine Renaissance erlebt. Einige Medien, wie zum Beispiel die Betamax-Kassette oder der BTX-Dienst, gehen unterwegs verloren. Manches aber eben auch nicht. (kda)

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