Im Rahmen der Morgenstadt Initiative entwickelt die Fraunhofer Gesellschaft Konzepte für Städte der Zukunft. Mit der Morgenstadt-Werkstatt wird dieses Konzept greifbar für alle Beteiligten: Bürger, Kommunalvertreter, und Unternehmer. Zwei Tage lang können sich Interessierte über die Visionen für unser Morgen informieren und interaktiv mitgestalten. Mitte Dezember geht die Morgenstadt-Werkstatt in die nächste Runde und trifft dieses Jahr auf die Digitalakademie Baden-Württemberg. Im Interview erklärt Projektleiterin Susanne Schatzinger die Möglichkeiten, die diese Veranstaltungsreihe bietet. 

Hallo Frau Schatzinger, Gratulation zu einem anstehenden Meisterwerk: Sie werden Mitte Dezember die Ideen von Unternehmen, Verwaltungen, Politikern, Wissenschaftlern, Forschern, Bürgern und Studierenden für die Zukunft unserer Städte vorstellen, diskutieren und weiterentwickeln – und das in nur zwei Tagen!

Ich würde es weniger dramatisch ausdrücken. Natürlich kann man über Ideen und Umsetzungen für die Städte und Kommunen der Zukunft auch ein halbes Jahr sprechen. Aber eine so ausgedehnte Konferenz zu stricken, ist gar nicht unsere Intention. Bei der Veranstaltung Morgenstadt-Werkstatt meets Digitalakademie@bw 2018, die am 13. und 14. Dezember in Stuttgart stattfindet, geht es uns vor allem darum, Angebot und Nachfrage, Verantwortliche, Gestalter, Entwickler und Nutzer zusammenzubringen. Wir wollen den Austausch anregen. Wie wichtig das ist, sagen uns beispielsweise auch Unternehmen immer wieder: Denn ihnen ist oftmals noch nicht klar, wie sie ihre Produkte im städtischen Raum umsetzen können. Und die Städte wissen oft nicht, wie andere Kommunen ihre Probleme angehen. Die Bürger ihrerseits suchen Gelegenheiten, konstruktiv miteinander ins Gespräch zu kommen, um sich einzubringen. Aus Gründen wie diesen ist vor drei Jahren die Morgenstadt-Werkstatt entstanden. Dass sie jedes Jahr immer weitergewachsen ist, freut uns. Aber sie wird dadurch natürlich auch vielschichtiger. Im vergangenen Jahr durften wir schon rund 400 Teilnehmer und Teilnehmerinnen bei diesem »interaktiven Makerspace« begrüßen. 

Die diesjährige Morgenstadt-Werkstatt bietet den Teilnehmern fast 30 Workshops und Vorträge, rund ein Dutzend Talkrunden, zehn Ausstellungen, Kamingespräche, Preisverleihungen und eine ganze Reihe weiterer Veranstaltungsformate. Das wirkt fast schon unübersichtlich.

Natürlich wird es nicht möglich sein, alle unsere Angebote nutzen zu können. Das ist auch gar nicht unser Ziel. Wir bieten verschiedene Plattformen zu verschiedenen Themen an. Der gemeinsame Nenner dabei ist die Zukunft der Städte und Kommunen und der Vorsatz, die Veranstaltungen kurzweilig und interaktiv zu gestalten. Dafür nutzen wir spezielle Formate, wie beispielsweise lockere, auf 20 Minuten Dauer begrenzte Infotalks. Oder einen Makeathon, bei dem mit Unterstützung von Expertinnen und Experten sozusagen »live« kreative Prototypen entwickelt werden können. Dieses Jahr neu ist die Civil City Challenge, bei der die Teilnehmenden verschiedene Rollen in einer Kommune einnehmen können. Ein sogenannter Meta-Workshop fasst die Inhalte verschiedener Formate zusammen.

Deshalb haben Sie auch keine thematischen Grenzen gesetzt.

Grenzen gibt es kaum, solange sich die Inhalte an der Stadt der Zukunft orientieren. Die Inhalte bewegen sich deshalb innerhalb des Spektrums von Themen wie Künstlicher Intelligenz, Mobilität, eGovernment, Digitalisierung in der Verwaltung, rechtlichen Barrieren oder Datenumgang bis hin zu Leichtbau, Seilbahnlösungen, gesundheitlicher Prävention oder der Vorstellung von Lösungsmodellen aus anderen Städten im In- und Ausland. So werden uns beispielsweise Vertreter aus Wien, München und Lyon, die gemeinsam ein EU-Projekt durchgeführt haben, von ihren Erfahrungen berichten.

Der Programmtitel in diesem Jahr heißt »Morgenstadt-Werkstatt meets Digitalakademie@bw«. Wie wichtig ist die Partnerschaft mit der Digitalakademie@bw?

Die Digitalakademie@bw hat hier in Baden-Württemberg die Aufgabe, durch Qualifizierung, Innovation, Wissenstransfer und kulturellen Wandel die Digitalisierung in Stadt und Land voranzutreiben. Das Thema Digitalisierung ist mittlerweile ein verbindendes Glied zwischen fast allen Ideen und Konzepten, die sich mit der Zukunft auseinandersetzen. Allein deshalb sind wir froh, die Digitalakdemie@bw und damit das baden-württembergische Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration als Mitveranstalter dabei zu haben. So haben wir die Gewähr, dass Konzepte und weitere Wünsche zu Thema Digitalisierung umfassend diskutiert und konkretisiert werden können.

Wieviel hat die Morgenstadt-Werkstatt mit der Morgenstadt Initiative zu tun?

In der Morgenstadt Initiative hat sich die Fraunhofer-Gesellschaft zur Aufgabe gemacht, gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Kommunen Lösungen für nachhaltige und smarte Städte der Zukunft zu entwickeln. Das betrifft im Grunde alle kommunalen Bereiche – von Abfall über Energie, Governance, Mobilität bis hin zur Wasserversorgung. Die Morgenstadt-Werkstatt versteht sich als Teil dieser Initiative und bietet ein ergänzendes Bottom-up-Format.

Wie erfolgreich sind Sie dabei?

Das ist schwer zu bewerten, denn mit dem Anregen des Austausches und dem Vorstellen von Innovationen und Möglichkeiten ist der Werkstatt-Job zunächst getan. Aber wir wissen, wie positiv die Teilnehmer auf die Angebote reagiert haben. Das liegt vermutlich daran, dass Zukunfts-Workshops noch zu oft im wissenschaftlichen Elfenbeinturm stattfinden. In der Morgenstadt-Werkstatt aber kann und soll sich jeder, der möchte, aktiv einbringen. Beispielsweise stellen Kommunen während der Werkstatt fest, dass sie vergleichbare Probleme oder Ziele haben und tauschen sich danach intensiv aus. Häufig ergeben sich so  Kooperationen und neue Projekte, getragen von Partnern, die vor der Werkstatt noch wenig Berührungspunkte miteinander hatten.

Was nehmen Sie als Forscherin am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO mit aus diesen Veranstaltungen?

Viele gute Ideen. Denn es werden sich wieder eine Fülle von konkreten Themen zum städtischen Alltag herauskristallisieren. Sie unterstützen uns dabei, unsere Forschung weiterzuentwickeln und am konkreten Bedarf auszurichten.

(hen)

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