München, Fraunhofer ESK – Bei Software ist es für die Besteller immer noch schwierig, das Funktionieren und die Leistung eines Programms bis ins Detail zu überprüfen. Denn während sich eine Vielzahl der Anstrengungen auf einen möglichst problemlosen Austausch von Software zwischen verschiedenen Plattformen und Herstellern konzentrieren, sind bislang keine Standards definiert, die bereits in der Entwicklungsphase einen übergreifenden und austauschbaren Test-und Integrationsprozess gewährleisten. Die Konsequenz: In der Regel müssen Komponenten- und Fahrzeughersteller für eine Vielzahl von Software spezielle Tools entwickeln, um deren Korrektheit zu überprüfen. Denn es geht nicht allein darum, dass am Ende eines softwaregesteuerten Rechenprozesses das richtige Ergebnis steht. Es muss auch gewährleistet sein, dass die einzelnen Subprogramme richtig arbeiten, um mögliche fehlerhafte Zwischenschritte trotz richtigem Endergebnis ausschließen zu können. Die dafür individuell erstellten Test-Tools arbeiten deshalb mit einer Log- und Trace-Komponente, welche die Arbeitsweise und mögliche Fehler protokolliert und den Zustand des Programms nach außen sichtbar macht. Nicht nur, dass das Entwickeln derartiger Tools zusätzlichen Aufwand erfordert, die individuell erstellten Programme führen auch zu einem unübersichtlichen und schlecht handhabbaren »Wildwuchs« an Protokollen und Schnittstellen. Immerhin werden derzeit in modernen Fahrzeugen rund 2.000 verschiedene Softwarefunktionen genutzt, die von Dutzenden verschiedener Hersteller kommen. Im Rahmen der Initiative AUTOSAR hat die Fraunhofer ESK im Auftrag der BMW Group den Standard für eine Logund Trace-Komponente entwickelt. AUTOSAR ist eines der bekanntesten gemeinsamen Projekte der Automobilindustrie weltweit: Erstmals erstellen Hersteller hier gemeinsam eine einheitliche Grundlage für die Entwicklung von Software im Automobil. Herzstück für die Standardisierung des Log- und Trace-Dienstes ist ein neues Basis- Software-Modul: Das DLT (Diagnostic Log and Trace) besitzt einheitliche Interfaces, mit deren Hilfe die Softwarekomponenten Log- oder Trace-Nachrichten versenden können. Das Modul fungiert also als „Generalschlüssel“, um auch die Unterprogramme einer Software auf ihre Zuverlässigkeit und Gebrauchstauglichkeit hin zu analysieren. Zusätzlich wurde ein einheitliches Übertragungsprotokoll und Ablageformat für diese Dateien spezifiziert, um die ausgelesenen Daten miteinander vergleichen zu können. Das DLTModul bietet damit eine einheitliche Grundlage für alle Softwareentwickler, um Diagnosefunktionen zu nutzen und systematische Systemtests durchzuführen. Mittlerweile ist das DLT-Modul einsatzbereit und soll im kommenden Jahr im Rahmen des AUTOSAR Release 4 veröffentlicht werden. Dann werden auch die ersten entsprechenden Software-Implementierungen zum Einsatz kommen, so dass die Testbarkeit von Softwarekomponenten künftig deutlich erleichtert wird.

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