Wenn Ingenieure nicht allzu gut arbeiten, kommen immer Maschinen heraus, die etwas dümmer als die Ingenieure selbst sind. Deshalb gehen Ingenieure mit Maschinen so liebevoll um. Normale Menschen mögen aber Maschinen nur dann, wenn sie »simple & stupid« sind. Verstehen Sie? Bei normalen Maschinen stimmen die Relationen zu normalen Menschen einfach nicht. Deshalb nimmt der Mensch an sich nicht an, was den Ingenieur ganz hell begeistert.

Ich dachte deshalb immer, es müsste »Invasive Computing« heißen, was mir da als Mensch aufgezwungen werden soll. Überall muss ich Daten eingeben und Passwörter in verschiedenen Längen wissen (mindestens eine kleine Hieroglyphe an der elften Stelle). Call-Center-Terror hagelt zu Hause herein. Alle Vertreter der Welt versuchen mich mit Cross-Selling zu besiegen. Neue elektronische Geräte stehen stapelweise im Wohnzimmer, die wir Menschen an sich (Ingenieure ausgenommen) noch nie bedienen konnten. Sie wollen, dass mich der Kühlschrank zu einer Diät überredet, weil er mit meiner stöhnenden Waage im Blue Tooth Dialekt redet. Zwischen den beiden hat es gefunkt. Invasiv bedeutet angreifend oder zudringlich. Genau das ist es! Zudringlich!

Ich will ja nicht verschweigen, dass vieles Technologische auch angenehme Seiten hat. Aber die Technologie hat heute doch noch so eine ambivalente Bedeutung für mich. Einerseits – andererseits. Technologie ist nicht nur für uns da, sie verlangt eine Menge Pflege. Oft nervt sie, erfordert Rücksicht, verändert Gewohnheiten. Ich schlage deshalb vor, dass wir so etwas wie »Caring Intelligence« anstreben. Die Technologie soll für uns sorgen, nicht zu viel für sich selbst verlangen. Sie soll auf mich eingehen und nicht wollen, dass sich erst im meinem Kopf etwas zu ihrer Bequemlichkeit ändert. Warum heulen die Ingenieure so auf? Die Politiker? Die Wissenschaftler? Alle rufen: »In den Köpfen muss sich etwas ändern, sonst geht es nicht weiter!« Sie wollen, dass wir abgehackt sprechen, damit die Maschinen unsere Wörter besser verstehen.

Letztlich hat im Markt nur das Bequeme und Angenehme Erfolg, nicht das Intelligente. Es gibt Tonnen von Büchern im Gefolge des Klassikers "Crossing the Chasm" von Geoffrey Moore. Zwischen der Intelligenz und der Bequemlichkeit liegt eine Schlucht (»chasm«), die für Ingenieure als fast unüberwindbar gilt. Warum? Sie sehen die Schlucht gar nicht! Denn für Ingenieure sind das Intelligente und das Beque­me irgendwie synonym. Ingenieure verzweifeln an diesem unerkannten Missverständnis und schieben die Schwierigkeiten auf den rätselhaften Markt. Eine einfachere Lösung als eine »Caring Intelligence« sehe ich hier nicht.

Denn das ganz Simple ist meist nur irgendwie oberflächliche Lüge (lesen Sie dazu einen Artikel über Business Pornographie auf meiner Homepage). Im Grunde, denke ich, muss sich etwas in den Köpfen ändern. Aber in welchen? Das ist die Frage! Aber die Antwort ist klar: In denen, die immer fordern, es müsse sich etwas in Köpfen ändern. In denen zu allererst!

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Prof. Dr. Gunter Dueck
  • Kolumnist, Schriftsteller, Unternehmer
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