Software Engineering ist ein diffiziles Thema, das sich selten aus Fachpublikationen heraus verirrt. Für Endanwender scheint es nicht weiter relevant, wie der Browser, das Betriebssystem oder das Spiel, das sie täglich nutzen, entstehen. Und doch ist die Softwareentwicklung eigentlich der wichtigste Aspekt von allen in der neuen digitalen Welt. Denn hier werden die Leitplanken gesetzt dafür, welchen Nutzen ein Programm später haben wird. Aber auch dafür, welche Risiken sich durch seine Nutzung auftun könnten.

Obwohl man sie nicht sehen oder anfassen kann, bestimmt Software über einen großen Teil von Funktionen und Eigenschaften vieler unserer Alltagsgegenstände. Sie ist oftmals die ›Seele‹ dieser Geräte oder Gegenstände, die einen wichtigen Platz in unserem Leben haben. »Von der Waschmaschine bis zum Flugzeug, vom mp3-Player bis zum Auto – viele dieser Dinge wären ohne Software nur eine Ansammlung von Mechanik und Elektronik, ohne Funktion«, erklärt Thomas Bendig, Geschäftsführer des Fraunhofer-Verbunds für Informations- und Kommunikationstechnologie. »Erst, wenn die Software einen Fehler macht oder abstürzt, merken wir, wie wichtig sie ist. Bei einem mp3-Player mag es noch kein großes Problem sein, aber bei einem Softwarefehler in einem Auto, Flugzeug oder in medizinischen Geräten sind schnell Menschenleben in Gefahr. Deshalb ist eine solide, systematische Softwareentwicklung genauso wichtig wie präzise mechanische Verarbeitung und zuverlässige elektronische Schaltungen.«

Die Verlässlichkeit von Software fängt also bei der Entwicklung an. Doch die Softwareentwicklung ist ein weites Feld. Vom Requirements Engineering (RE) über Projektmanagement, Design und Implementierung bis hin zum Testen und dem Sichern von Qualität umfasst dieser Prozess viele Aspekte. Das RE, also das Festlegen der Anforderungen für eine Software ganz zu Beginn der Entwicklung, wird oft vernachlässigt. Deswegen erhebt das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE jedes Jahr Daten in der Umfrageserie »RE-Kompass«. Ziel der Untersuchung ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, inwiefern RE heute integraler Bestandteil in den Prozessen von Wirtschaft und Industrie ist, welchen Stellenwert es vor dem Hintergrund moderner agiler Vorgehensweisen hat, und in welchen Bereichen noch notwendige Handlungsfelder für die Forschung existieren.

Es kommt auch nicht von ungefähr, dass sich die Bereiche IT-Sicherheit und Software Engineering stark überschneiden. Und es gibt viele Stellen, an denen das ›Sicher-machen‹ von Software ansetzen kann. Nämlich an jedem der oben genannten Schritte. »Sicherheit in Softwareanwendungen umfassend zu integrieren erfordert einen koordinierten Ansatz von der Planung der Security-Aspekte über die Umsetzung der Maßnahmen in den Entwicklungsprozessen bis zur Messung und Überwachung des erreichten Sicherheitsniveaus«, erklärt Jörn Eichler, Leiter der Abteilung Secure Software Engineering an der Fraunhofer-Einrichtung für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC. Auch an der AISEC forscht man daran, Software sicherer zu machen, und zwar schon zu Beginn und während des Entwicklungsprozesses. Es wird außer um Sicherheit und RE auch um Softwarearchitekturen, Testumgebungen, Analysewerkzeuge und vieles mehr gehen. (kda)

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