Ob wir im Auto oder im Flugzeug sitzen, unser Navigationsgerät bedienen oder an unserem Arbeitsplatz in einer Produktionsanlage stehen – eingebettete Systeme umgeben uns ständig und begleiten unseren Alltag. Die Fraunhofer-Institute bieten unter anderem Lösungen für den gesamten Entwicklungsprozess von eingebetteten Systemen und können so zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil beitragen. Am Gemeinschaftsstand auf der embedded world 2012 werden genau diese Lösungen und Entwicklungen präsentiert.

Die Nürnberger embedded world Exhibition&Conference feiert in diesem Jahr vom 28. Februar bis 01. März 2012 ihr zehntes Jubiläum – laut Veranstalter mit einer Rekordmarke. Knapp 900 internationale Aussteller aus 35 Ländern bilden die gesamte Bandbreite der eingebetteten Systeme ab. »Das ist so weltweit einmalig«, erklärt Messe-Projektleiter Alexander Mattausch in einer Presseinformation der embedded world. Die Messe zählt folglich zum wiederholten Mal zu den laut Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie förderungswürdigen Leitmessen. Auch die Fraunhofer-Allianz Embedded Systems, welche erst kürzlich ihren Jahrestag begehen konnte, wird mit verschiedenen Instituten am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand (Halle 5, Stand 228/ 232) vertreten sein. 

Schon seit einigen Jahren nimmt Europa eine führende Rolle in der Entwicklung von eingebetteten Systemen ein, betont ARTEMIS, eine sogenannte Joint Technology Initiative (JTI) zur Implementierung der EU-Forschungsagenda zu Embedded Systems. Insbesondere Deutschland bildet dabei den weltweit drittgrößten Markt – mit neun bis zehn Prozent jährlichem Wachstum. Prof. Dr. Liggesmeyer, Sprecher der Fraunhofer-Allianz Embedded Systems, folgert demnach: »Wir müssen diesen Weg […] nur konsequent fortsetzen, um einen Vorsprung, der in vielen Bereichen sicherlich im Moment da ist, zu halten und, wenn es geht, auch ein bisschen auszubauen.« 

Liggesmeyer konkretisierte auf dem Green IT Forum 2011 die weiteren Schritte im Ausbau von Embedded Systems: Erstens sei die modellbasierte Entwicklung nötig, um größere Akzeptanz zu schaffen, indem Fehlfunktionen verhindert und auch die Vermutung von Unsicherheit vermieden würde. Zweitens rief er nach Instrumenten zur Quantifizierung von Qualität, wie sie im Safety-Bereich längst gängig sind – als Antwort auf das erhebliche Gefahrenpotential, wenn große Mengen IT, Sensorik und Aktorik aufeinandertreffen. Drittens bestehe Bedarf an Visualisierungen von Analyseergebnissen, um erbrachte Informationen auch verständlich zu machen, sodass exakt an den erforderlichen Stellen eines Systems eingegriffen werden könne. 

Tatsächlich lässt sich eine Beständigkeit der Branche beobachten: Schwerpunktthemen der embedded world Conference – auch bereits im Vorjahr – sind ARM-Cortex-Architekturen, Multicore-Bausteine und Sicherheitslösungen. Der Fokus der Exhibition wiederum richtet sich auf Kommunikation in den Bereichen Machine-to-Machine (M2M) und Cloud-Computing sowie auf Energieoptimierung. 

Der Fraunhofer-Gemeinschaftsstand auf der embedded world widmet sich in diesem Jahr den folgenden Themen-Schwerpunkten:

  • Qualitätssicherung eingebetteter Systeme: Softwarequalitätssicherung, Hardwaresicherheit, Produktschutz
  • Modellierung eingebetteter Systeme: Workbench für AUTOSAR-Software, Sensornetze, modellbasierte Softwareentwicklung
  • Systemarchitektur eingebetteter Systeme: Parallelisierung von Software (Multi- und Many-Core-Architekturen)
  • Connectivity eingebetteter Systeme: E-Mobility, Vernetzung der Fahrzeugelektronik, Funknetze


Das Spektrum an spezifischen Fraunhofer-Exponaten verdeutlicht dabei eingehend die Einsatzvielfalt von eingebetteten Systemen. So stehen für die Fraunhofer-Einrichtung für Systeme der Kommunikationstechnik (ESK) insbesondere Zuverlässigkeit und Ressourceneffizienz von Kommunikationssystemen im Vordergrund. Konkret wird mit Cognitive Radio ein automatisches und adaptives Funksystem zur optimalen Nutzung von Funkspektren vorgestellt – für eine bessere Übertragungsqualität, eine höhere Verfügbarkeit und mehr Zuverlässigkeit. Daneben widmen sich die Forscher der Internet-Technologie: IP beziehungsweise Ethernet soll in Datenbordnetz-Architekturen von Fahrzeugen als einheitliche sowie günstige Übertragungstechnik Einsatz finden. Mit CHESS, einem EU Projekt zur domänenübergreifenden komponentenbasierten Entwicklungsmethodik, wird zudem eine Modellierungssprache präsentiert, die besonders nicht-funktionale Aspekte wie Zuverlässigkeit und Zeitverhalten unter vordefinierten Garantien berücksichtigt. ESK zeigt hierzu Einsatzmöglichkeiten in der Automobilindustrie.

Beispiele für weitere Fraunhofer-Exponate sind: 

  •  ein fehlertoleranter Satelliten-Bordrechner des Fraunhofer-Instituts Rechnerarchitektur und Softwaretechnik (FIRST), der, basierend auf einer Hochleistungs-Multicore-Architektur, durch komplexe Bilderkennungsalgorithmen Position und Orientierung erkennt;
  • die »Modell- und Softwarefabrik« BIZWARE, welche auf der Basis domänenspezifischer Sprachen (DSLs) arbeitet; 
  • weiterhin zeigen die FIRST-Forscher im Zusammenhang mit dem VAKOMO-Projekt eine Hardware- und Softwarearchitektur zur Entwicklung und Verifizierung von Steuergeräten für sicherheitskritische Anwendungen. 


Aber auch das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software-Engineering (IESE) und das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) mitsamt seinem Institutsteil Entwurfsautomatisierung (EAS) werden eine Reihe interessanter Exponate vorführen, wie auch die Fraunhofer-Einrichtung für Angewandte und Integrierte Sicherheit (AISEC), die Fraunhofer-Projektgruppe Entwurfstechnik Mechatronik (IPT) und das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI). 

Alles in allem verspricht die embedded world ein Panorama der Forschung und Entwicklung von Embedded Systems, das sicher einen Blick wert ist. (lre)

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