Die gute Nachricht zuerst: Wir werden auch statistisch immer älter. Jeder von uns kann sich also durchschnittlich darauf einstellen, dass er als Mann ein Alter von 77 Jahren erreicht und als Frau sogar seinen 82. Geburtstag feiern darf. Wir Deutschen werden aber auch immer mehr Ältere. Der sogenannte Altenquotient steigt in den kommenden Jahren erheblich: Standen im Jahr 2000 hundert Deutschen zwischen 20 und 60 Jahren etwa 40 Senioren gegenüber, sind es aktuell bereits 47. Und in 40 Jahren werden es sogar 85 Senioren jenseits der 60 sein, die hundert jüngeren Deutschen gegenüber stehen. Selbstverständlich will und soll jeder dieser Senioren – und in ein paar Jahren eben auch jeder von uns – seine hoffentlich lange Lebenszeit möglichst weitgehend selbstbestimmt und eigenständig verbringen und weiter am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Barrierefreiheit steht daher beim Produkt- und Dienstleistungsdesign, bei der Entwicklung von Webservices, in der Architektur und bei der Gestaltung des gesellschaftlichen Miteinanders weit oben auf der Agenda der „Senioren-Forschung“. Insbesondere bei der Entwicklung neuer Geräte und Technologien sichert die Barrierefreiheit gemeinsam mit der Usability – also der möglichst simplen Bedienbarkeit – den Zugang der Menschen zum technischen Fortschritt.

Wie sich Produkte und Dienstleistungen besser auf die speziellen Bedürfnisse unterschiedlichster Nutzergruppen anpassen lassen, ist bereits Thema zahlreicher Normen, Standards und Richtlinien. Fast scheint es so, als hätte sich die Barriere inzwischen auf die Produzentenseite verschoben – denn nun stehen die Produktdesigner vor der Hürde, die diversen Aspekte von Barrierefreiheit und Usability in ihre Entwicklungsprozesse integrieren zu müssen. Auf welche Weise aber können sie zuverlässig feststellen, wie Senioren – oft mit unterschiedlichen altersbedingten Beeinträchtigungen – mit einem Gerät zurechtkommen, das es aktuell noch gar nicht gibt?

In einer ganzen Reihe von Projekten arbeiten Forscher weltweit daran, eben diese Entwickler-Barrieren abzubauen. Fraunhofer nutzt dabei als wesentliches Hilfsmittel die Möglichkeiten der Virtual Reality: Hier sollen künftig die unterschiedlichsten Nutzer mit ihren vielfältigen Bedürfnissen Produkte, Dienstleistungen oder Lebensumgebungen als so genannte „virtuelle Modelle“ am CAD-Entwurf umfassend testen können. Eingesetzt werden Avatare. Sie helfen den Forschern dabei, zu verstehen, welche Auswirkungen körperliche und kognitive Beeinträchtigungen auf den Umgang mit einem Auto, der Waschmaschine oder dem Handy haben. Die Ergebnisse nutzen diese dann dazu, Vorgehensweisen und Methoden zu entwickeln, wie Barrierefreiheit und Usability – bereits von der Ideenfindung an – in den Entwicklerprozessen verankert werden können. VR-Umgebungen als Werkzeug ermöglichen es den Produktentwicklern zudem, selbst den Umgang mit ihren Produkten zu antizipieren. Dabei überwinden sie noch eine Barriere: Statt umständlicher Steuerung der 3D-Welten über Tastatur oder Joy-Stick wird es bald möglich sein, mit den virtuellen Objekten über Gestensteuerung ganz natürlich zu „hantieren“.

Unterm Strich:
20 Prozent = Anteil der Deutschen über 60 Jahre im Jahr 1990
25 Prozent = Anteil der Deutschen über 60 Jahre im Jahr 2005
40 Prozent = Anteil der Deutschen über 60 Jahre im Jahr 2050
46 Prozent = Anteil der Deutschen über 45 Jahre, die an leichter bis schwerer Hörschwäche leiden
> 200.000 = Anzahl der Deutschen, die jährlich einen Schlaganfall erleiden
82 Prozent = Anteil der deutschen Haushalte mit einem oder mehreren Computern
95 Prozent = Anteil der 20- bis 30-Jährigen, die online sind
73 Prozent = Anteil der über 60-Jährigen, die offline sind

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