Großflächige Monitore als Informationsmedium sind mehr und mehr allgegenwärtig: Am Messestand und im Büroentrée, im Kaufhaus und am U-Bahnhof. Multimediafähig bieten sie Informationsmöglichkeiten, die weit über die Klassiker Plakat und Infotafel hinausgehen. Genutzt werden diese Möglichkeiten in der Regel nur sehr eingeschränkt. Ein zentraler Grund dabei: Wie kann der Nutzer mit den Großdisplays interagieren und so gezielt die gewünschten Informationen abrufen? Eine Lösung: Die am Fraunhofer IAO entwickelte Multimedia-Wand. Sie gehorcht ganz intuitiv dem »Wink« der Nutzer.

Im Fünf-Minuten-Takt wiederholt sich die aufwendig produzierte »Info-Show« am unübersehbaren Flachbildschirm des Messestands. Dennoch fungieren die Produkt- und Unternehmenspräsentationen auf den Bildschirmen der Aussteller mehr als Eye-Catcher als zur Informationsvermittlung. Kaum ein Messebesucher bleibt vor dem Display lange genug stehen, um sich die Informationsschleife komplett anzusehen. Denn erstens müssten sie dazu erst den Neustart der Präsentation abwarten und zweitens erneut geduldig warten, bis die individuell für sie interessanten Inhalte auftauchen. Die knapp bemessene Zeit eines Messebesuchs ist zum »Fernsehen« schlicht zu schade. Nach einem kurzen Blick auf die Displayshow ist meist doch die klassische Information über ausliegende Prospekte noch die Regel oder wird das Angebot des Messestands regelrecht »links liegen« gelassen.

Was solchen Bildschirmflächen zum wirkungsvollen und gerne genutzten Informationsmedium fehlt, ist die Möglichkeit der Nutzer zur gezielten Interaktion mit dem Gerät beziehungsweise den darauf angebotenen Informationen. »Diese Interaktion zwischen Mensch und Maschine muss allerdings so gestaltet sein, dass sie möglichst intuitiv und schnell zu begreifen ist und idealerweise den Nutzern ganz einfach Spaß macht«, so Andreas Schuller vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO. In Kooperation mit dem Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement IAT der Universität Stuttgart entwickelten die Fraunhofer-Forscher eine »Interaktive Wand«, die durch Gesten der Nutzer gesteuert wird. In die vier Meter breite und gut zwei Meter hohe Präsentationswand in edlem Metalldesign sind auf Augenhöhe nebeneinander vier große Displays sowie für jeden der Monitore die dazugehörige Tracking-Sensorik für die Gestensteuerung integriert. Der Nutzer steht in optimalem Betrachtungsabstand vor der Wand und kann mit Körperbewegungen mit dem Bildschirmsystem interagieren. Mit einer ausladenden Wink- oder Wischbewegung mit einem Arm von rechts nach links wechselt die Bildschirmansicht zur nächsten Seite. Eine Armbewegung in umgekehrter Richtung führt den Benutzer wieder einen Schritt zurück. Zusätzlich ist auch ein Hineinzoomen in die Seite möglich. Durch ein Auseinanderziehen beider nach vorne gestreckten Arme lässt sich beispielsweise eine Grafik am Bildschirm vergrößern oder zu einem Stichpunkt eine detaillierte Beschreibung anzeigen.

Ähnlichkeiten der Steuergesten für die Bildschirmpräsentation mit der Fingerbedienung von Smartphones und Tablets sind durchaus beabsichtigt. »Die Interaktionsmuster sind die Nutzer damit bereits gewohnt, sodass bereits ein kurzes Zusehen oder wenige Piktogramme und Wörter genügen, um die Interaktionsmöglichkeiten mit der Präsentationswand zu verstehen«, erklärt Schuller. Gleichzeitig hat die Gestensteuerung gegenüber anderen Interaktionsformen entscheidende Vorteile: Die Verwendung einer Touch-Oberfläche für größere Displays wäre wenig nutzerfreundlich. Der Benutzer müsste zur Steuerung der Präsentation an den Bildschirm herantreten und dann wieder zurück zum optimalen Betrachtungsabstand gehen. Eine weitere Möglichkeit sind natürlich Eingabegeräte. Sie zu nutzen bedarf jedoch auch einer Gebrauchsanweisung in die Tastenbedienung und vor allem sind solche zusätzlichen Geräte für Präsentationsdisplays an einem Messestand oder im öffentlichen Raum ohne zusätzliches Betreuungspersonal nicht geeignet. An der vom Fraunhofer IAO und dem IAT auf Messen und Veranstaltungen eingesetzten »Interaktiven Wand« können sich vier Personen vor jeweils einem der Bildschirme gleichzeitig und individuell durch die darauf gezeigte Präsentationen »navigieren«. Die Gestaltung eines ähnlichen gestengesteuerten Displaysystems kann problemlos an weitere Einsatzszenarien angepasst werden. Einzelne Bildschirme mit Tracking-System sind beispielsweise als Public-Screens in Kaufhäusern, U-Bahnhöfen oder in Büro-Entrées als Informationsmedium denkbar. Ebenso könnten die über Gesten gesteuerten Bildschirme genutzt werden, um vor und nach einem Meeting in einem Besprechungsraum den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, sich Präsentationen der Referenten in Ruhe nochmal im Detail durchzusehen. Über Displays an Info-Punkten, etwa im Aufenthaltsraum einer Firmenabteilung, könnten Neuigkeiten und Terminübersichten jederzeit abrufbar sein. »Die Gestensteuerung ist dabei nicht immer nur Mittel zum Zweck, sondern kann gleichzeitig Spaß machen und damit motivierend wirken. Und nicht zuletzt kann die Bewegung vor dem Bildschirm für Nutzer auch eine willkommene Aktivität als Abwechslung zum Arbeitsalltag sein«, ergänzt Schuller.

Als Tracking-System verwendet die »Interaktive Wand« in ihrer aktuellen Version zur Gestenerkennung die für die Spielekonsole Xbox entwickelte Sensoreinheit Kinect. Mit dem dazu von Microsoft angebotenen Toolkit für Softwareentwickler lassen sich die Möglichkeiten der Sensoren für die Bewegungserkennung verhältnismäßig einfach für verschiedenste Interaktionsmuster nutzen. Im Gegensatz zu der von den Forschern in Vorgängerversionen des interaktiven Displaysystems verwendeten Gestenerkennung über eine Kamerabeobachtung erlaubt diese Sensor-Plattform zusätzlich die Bestimmung und Verarbeitung von Tiefeninformationen sowie die Bewegungsanalyse des Benutzers über eine Skelettdarstellung. Die »Interaktive Wand« erkennt auch, wenn mehrere Personen vor ihr stehen. In der umgesetzten Version der Gestensteuerung wird dann jeweils die im Vordergrund stehende Person als »Interaktionspartner« bestimmt. Auch wenn sich die anderen Personen der Gruppe also ganz normal bewegen, stören ihre Gesten seine Interaktion mit dem Monitor nicht. Wie bisher werden die Forscher die Technologie der »Interaktiven Wand« weiterentwickeln und beispielsweise dazu auch die kommenden neuen Generationen von Steuerungssystemen für Spielekonsolen erproben und testen. Zusätzlich erarbeiten die Entwickler Konzepte und Tools, die dabei helfen, Präsentationen und Inhalte so auf den Monitor zu bringen, dass sie nutzerfreundlich über Gestensteuerung genutzt werden können. (mab)

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