Eine einfache und intuitive Nutzung gehört längst zu den marktentscheidenden Aspekten von IT-Produkten. Das wissen so gut wie alle Verantwortlichen in einem Unternehmen. Trotzdem ist die Einbettung von Usability in die Entwicklungsprozesse interaktiver Produkte nicht so fortgeschritten, wie man es erwarten sollte. Qualifizierte Weiterbildungskurse sind deshalb hoch im Kurs. Britta Hofmann erklärt die Besonderheiten des Angebots am Fraunhofer FIT.

Hallo Frau Hofmann, Sie sind Leiterin der Abteilung Usability und User Experience Design des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT. Ihre Abteilung bietet berufliche Weiterbildungen als Vorbereitung auf die von der Fraunhofer-Personenzertifizierungsstelle abgenommen Abschlüsse an. Das Angebot reicht von Usability Engineering und User Research bis hin zum zertifizierten Usability Professional.

Unsere Abteilung arbeitet mit einem starken Fokus auf die Industrie. Angewandte Beratung und Coaching sind für unsere Arbeit also grundlegend. Insofern war es – vor mittlerweile mehr als sieben Jahren – naheliegend, neben Forschung und Consulting auch Angebote für die berufliche Weiterbildung auszuarbeiten.

Was ist das Besondere an den Kursen des Fraunhofer FIT?

Wir gestalten die Maßnahmen als offenes Training mit dem Ziel, dass die Teilnehmer erfolgreich die Fraunhofer-Personenzertifizierung bestehen. Wer ein Zeugnis haben will, muss also die Abschlussklausur bestehen. Das ist deutlich wertiger als bei vielen anderen Weiterbildungsmaßnahmen. Zu uns ans Institut kommen deshalb eher anspruchsvolle Teilnehmer aus dem gesamten deutschsprachigem Raum.

Welche Kurse bieten Sie an?

Eine Art Basisprogramm ist die Weiterbildung zum zertifizierten Usability Engineer. Nach Abschluss der Ausbildung sind die Teilnehmer in der Lage, Usability-Maßnahmen methodisch fundiert in einem Unternehmen einzuführen und ihre Praxiserfahrungen auf Basis international anerkannter Standards zu reflektieren und zu professionalisieren. Weitere Ausbildungsreihen sind Spezialist für Usability und User Experience Testing, Spezialist für User Requirements Engineering, Spezialist für Interaktions- und Informationsdesign und User Researcher.

Warum wird Usability-Wissen immer wichtiger?

Man müsste sich wohl eher fragen, warum Usability nicht schon vor 20 Jahren einen Spitzenplatz auf der Agenda der Software-Ingenieure hatte. Damals – etwa bei der Entwicklung von Mobiltelefonen – hat man noch abwertend vom »DAU«, also dem dümmsten anzunehmenden User gesprochen. Erst die steigende Konkurrenz auf dem Markt hat die Unternehmen und Ingenieure sensibilisiert: Usability wurde zu einem begehrten Qualitätsmerkmal.

Aber Usability ist nicht gleich Usability …

… Zumindest sind Vorstellungen und vor allem Vorgehensweisen manchmal sehr unterschiedlich. Auch der Begriff des Usability-Beraters ist nicht geschützt. Jeder kann sich so nennen. Deshalb ist es uns wichtig, nicht nur Wissen zur Usability an sich weiterzugeben, sondern den Qualitätsmaßstab im Bereich Ausbildung für mehr Gebrauchstauglichkeit in der industriellen Entwicklung hoch zu halten. Ich sehe das als wichtigen Teil unserer Aufgaben.

Zurück zu den Rahmenbedingungen für Ihre Angebote: Wie viele Kurse bieten Sie an und wie lange dauern sie?

Wir bieten fünf Weiterbildungen im Jahr an und schulen dabei in der Regel pro Kurs 16 Teilnehmer. Ein Kurs dauert fünf Tage inklusive zweier Kaminabende.

Und wie viele Dozenten sind im Einsatz?

Mein Kollege Peter Hunkirchen und ich bilden das Kernteam. Daneben nutzen wir aber auch immer das Expertenwissen von Gastdozenten.

Wer bildet die Zielgruppe?

Alle Menschen, die im Berufsleben mit der Gestaltung interaktiver Produkte befasst sind und gleichzeitig ein Mindestmaß an Arbeitserfahrung haben. Dazu gehören beispielsweise Softwaretester, Oberflächendesigner, Entwickler oder Produktmanager.

Was ist – Ihrer Meinung nach – für die Teilnehmer das größte Aha-Erlebnis am Ende der Workshop-Woche?

Dass es bei Usability um deutlich mehr geht, als um Oberflächenmaniküre. Den wenigsten ist in Fleisch und Blut übergegangen, dass ein Usability-Engineer eine Querschnittsfunktion über einen ganzen IT-Entwicklungsprozess hat: Von den Anforderungen bis hin zum Testing. Eine andere zwar bekannte aber eben noch nicht internalisierte Komponente ist die Notwendigkeit, den Fokus auf Usability im Unternehmen so zu kommunizieren, dass andere Verantwortliche mit ins Boot kommen.

Wo und wie kann ich mich zur Usability-Weiterbildung anmelden?

Sie können einfach das Anmeldeformular auf der Webseite nutzen.

 (aku)

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Britta Hofmann
  • Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT
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