Das Tablet wird zur Röntgenmaschine. Schüler erhalten beispielsweise Einblick ins Innere einer Druckmaschine: Augmented Reality (AR) macht’s möglich. AR-Anwendungen in der Ausbildung von Medientechnologen eröffnen eine neue Dimension des digitalen Lernens - auch ein Einsatz zu Wartungszwecken ist denkbar.

Druckmaschinen sind komplexe Anlagen. Wer begreifen will, wie sie funktionieren, braucht ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und technisches Verständnis. Eine neue Lernmethode bietet angehenden Medientechnologen nun neue Wege, die korrekte Bedienung zu erlernen – und zwar nicht anhand abstrakter Beschreibungen in Lehrbüchern, sondern im laufenden Prozess an der Druckmaschine selbst. Social Augmented Learning, kurz SAL, kombiniert Elemente aus Augmented Reality (AR), E-Learning und Social Media. Mit dem Tablet in der Hand lässt sich mit Hilfe der Erweiterten Realität nicht nur das Innenleben einer Maschine betrachten, es können auch verschiedenen Vorgänge und die Bedienung oder Wartung der Anlage simuliert werden. Das intuitive, anschauliche Lernen verstärkt nicht nur den Lerneffekt. Auch das Risiko,  die teuren und sensiblen Maschinen  zu beschädigen, ist gleich null.

Lernmodule mit Durchblick

Aus den AR-Anwendungen lassen sich zudem Lernmodule ableiten, die die Berufsschüler im Unterricht, zuhause oder unterwegs bearbeiten können. Interaktive 3D-Modelle veranschaulichen den komplexen Druckvorgang und können mit Kommentaren, Hervorhebungen und Verweisen angereichert werden, die sowohl Lehrer als auch Schüler einfügen können. Mit der Anbindung an eine Community werden die Lernmodule zum sozialen Interaktionsfeld, das der Wissensvermittlung und dem Austausch dient. »In der Tutorenrolle können Lehrkräfte festlegen, wer welche Bedienungsmöglichkeiten hat und zum Beispiel bestimmen, ob das 3D-Modell beweglich ist oder bestimmte Passagen markiert und Komponenten hervorgehoben oder ausgeblendet werden sollen«, erklärt Prof. Dr. Bodo Urban, Leiter der Abteilung »Interactive Document Engineering« am Fraunhofer IGD.

AR-Module selbst erstellen

Auch ohne IT-Fachwissen sind Laien mit einer Editor-Funktion in der Lage, selbst Inhalte und Lerneinheiten zu erstellen. Voraussetzung dafür ist lediglich ein 3D-Modell der Anlage. Die neuen Lerneinheiten können auf einem zentralen Lernmanagement-Server geladen und so an alle Nutzer verteilt werden. Die Anwendung ist dabei auf allen gängigen Plattformen einsetzbar und ermöglicht eine plattformübergreifende Vernetzung der Lernenden. So wird mobiles Lernen zu jeder Zeit und an jedem Ort möglich: zuhause oder in der Berufsschule am PC, auf dem Tablet oder Smartphone und auch direkt an der Druckmaschine.

Im Herbst 2014 wurde SAL an mehreren Berufsschulen in der Praxis getestet. Für das Fraunhofer IGD, das die technische Umsetzung übernommen hat, sind weitere Einsatzbereiche denkbar. »Das Konzept kann beispielsweise auch in die Ausbildung von Elektro- oder Gas- und Wasserinstallateuren übertragen werden, die mit Hilfe der Anwendungen lernen, wie etwa eine Herztherme funktioniert«, so Urban. Aber nicht nur im Zusammenhang mit Aus- und Weiterbildung sind die Funktionen interessant. Sie könnten auch zur  Wartung von Industrieanlagen genutzt werden und dabei helfen, Fehler zu vermeiden sowie Zeit und Kosten zu sparen. Denkbar wäre beispielsweise eine Verknüpfung der AR-Anwendung mit dem Wartungshandbuch und die Nutzung der sozialen Funktionen für die Dokumentation der Wartung und den Zugriff auf eine Wartungshistorie. (mdi)

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