Für Ideen, die sich auf Informations- und Kommunikationstechnologie beziehen, sind die Forscher der Fraunhofer-Institute »Schutzpatrone« und »Hebammen« – sie können sich viel vorstellen. So schön Ideen sind, müssen sie sich aber gerade in der angewandten Forschung auch stets dem Realitätstest unterziehen.

Wir baten also Experten, fünf Zukunftsideen aus unserer Befragung zur Langen Nacht der Wissenschaften in Berlin auf Herz und Nieren zu überprüfen: die Sachensuchmaschine, das Holodeck, den universellen Sprachen-Übersetzer, die Privatsphäre im Internet und den Zimmeraufräumroboter. Was gibt es schon, worauf können wir in absehbarer Zeit hoffen? Was dagegen bleibt auch in Zukunft wohl leider nur ein Traum und weshalb werden wir darauf verzichten müssen?

Mit Dr. Johannes Behr vom Fraunhofer IGD und Dr. Karlheinz Brandenburg vom Fraunhofer IDMT kommen heute gleich zwei Experten zu Wort – Fachleute für das Visuelle und für das Auditive. Miteinander und mit vielen Berlinern teilen sie den Traum vom Holodeck.

Dr. Johannes Behr: »Das Holodeck steht für eine perfekte virtuelle Simulationsumgebung, ohne jegliche physikalische Grenze oder haptische Einschränkung. Es erlaubt somit, jede nur denkbare Raumsituation zu begehen und zu begreifen. Diese perfekte und parallele Bespielung von allen Sinnen wird auch für absehbare Zeit nicht technologisch umsetzbar sein. Jedoch ist es heute schon möglich, visuelle Umgebungen mithilfe von Visual-Computing-Technologien so zu gestalten, dass unser wichtigster Sinn, das Sehen, für viele Aufgaben mehr als ausreichend bedient wird. Die aktuellen Trends und verfügbaren Lösungen im Bereich von bezahlbaren VR-Brillen, sogenannten Head-Mounted-Displays (HMD), machen Virtual-Reality-Lösungen damit für eine breites Anwendungsspektrum interessant.«

Dr. Karlheinz Brandenburg: »Das Holodeck ist der Traum vieler: in eine andere Welt eintauchen, sie ganz natürlich mit allen Sinnen erleben und dann einfach das Kommando ›Holodeck aus‹ geben, wenn es zu viel wird … Zurzeit wird an vielen Stellen an dieser Idee gearbeitet: Holografische Technologien sollen helfen, ein echtes 3D-Videoerlebnis in einem Raum zu erzeugen, Gerüche und Bewegungen, zum Beispiel in Kinos, sollen helfen, sich wie in einer anderen Welt zu fühlen. Trotzdem sind wir von der perfekten Lösung noch weit entfernt. Am besten kann bisher der akustische Teil des Holodecks realisiert werden: dank vieler einzelner und einzeln angesteuerter Lautsprecher wird mithilfe der sogenannten Wellenfeldsynthese eine naturgetreue akustische Welt erschaffen – viel besser als mit aktuellen Surroundanlagen für Kinos oder fürs Zuhause. Am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Ilmenau arbeiten 15 Wissenschaftler daran, dieses Erlebnis noch perfekter zu machen. Solche Systeme sind schon an vielen Stellen im Einsatz, beispielsweise im ›4D-Erlebniskino‹ in der Bavaria-Filmstadt in München.«

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  • Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD
Prof. Dr.-Ing. Karlheinz Brandenburg
  • Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT
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